Missbrauchs-Skandal: Bischof schwärzt die Juden an

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Missbrauchs-SkandalBischof schwärzt die Juden an

Ein italienischer Bischof bezeichnete die Missbrauchs-Vorwürfe gegen die katholische Kirche als «zionistischen Angriff». Nach Protesten dementierte er.

von
pbl

Giacomo Babini war von 1996 bis 2001 Bischof der Diözese Grosseto in der Toskana. In einem Interview mit der Website «Pontifex» äusserte sich der 81-Jährige zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Dieser sei die Folge eines «zionistischen Angriffs», meinte der Kleriker. Er bezeichnete die Juden als «natürliche Feinde der Kirche» und «Gottesmörder» und griff damit tief in die finsterste Schublade des Katholizismus. Hitler sei «nicht nur verrückt gewesen», meinte Babini weiter, er habe auch vom Ärger über den Schaden profitiert, den die Juden in der deutschen Wirtschaft angerichtet hätten.

Die Reaktionen blieben nicht aus, jüdische Kreise in Amerika und Italien protestierten und verlangten Konsequenzen. Der Präsident der jüdischen Gemeinde Roms, Riccardo Pacifici, forderte die italienische Bischofskonferenz auf, eine «unmissverständliche Position» einzunehmen. Diese veröffentlichte prompt eine Stellungnahme, in der Bischof Babini behauptete, er habe die ihm zugeschriebenen Aussagen über die «jüdischen Brüder» nie gemacht. Er versicherte die «älteren Brüder im Glauben» seine Wertschätzung.

Website hält an Aussagen fest

Die Pontifex-Website wird vom Journalisten Bruno Volpe als «Blog freier katholischer Information» betrieben. Gegenüber der britischen «Times» bekräftigte er die Echtheit von Babinis Aussagen. Notfalls werde er die Audio-Aufnahme des Interviews veröffentlichen. Bereits im Januar hatte Volpe judenfeindliche Äusserungen eines Kirchenmannes publik gemacht. Ein polnischer Bischof hatte den Holocaust als «jüdische Erfindung» bezeichnet, die von Israel als «Propaganda-Waffe» eingesetzt werde.

Vatikan-Vize verknüpft Pädophilie mit Homosexualität

Die Nummer zwei im Vatikan, Kardinal Tarcisio Bertone, hat angesichts des Missbrauchsskandals eine Verbindung zwischen Pädophilie und Homosexualität hergestellt. Die Ehelosigkeit katholischer Priester habe dagegen nichts damit zu tun, erklärte der Aussenminister des Vatikans bei einem Besuch in Chile vor Journalisten.

«Viele Psychologen und Psychiater haben bewiesen, dass es keine Beziehung zwischen Zölibat und Pädophilie gibt», sagte Bertone. Andere hätten wiederum gezeigt, dass es «eine Beziehung zwischen Homosexualität und Pädophilie gibt», sagte er. «Das ist das Problem.» Die Kirche habe niemals Ermittlungen gegen pädophile Priester behindert, fügte er hinzu. (ap)

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