Bisher 107 Schweizer Tsunami-Opfer identifiziert
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Bisher 107 Schweizer Tsunami-Opfer identifiziert

Fast ein Jahr nach dem verheerenden Tsunami in Südostasien werden immer noch fünf Schweizer vermisst. Die Glückskette half mit insgesamt 122 Millionen.

107 Schweizer sind bisher unter den Opfern identifiziert worden, wie eine Sprecherin des Bundesamts für Polizei (fedpol) auf Anfrage sagte. Weiterhin seien auch drei Schweizer Spezialisten an den Arbeiten in Thailand beteiligt. Ende Jahr werde entschieden, ob sie den Einsatz fortsetzten. Unmittelbar nach der Katastrophe war befürchtet worden, dass deutlich mehr Schweizer umgekommen sind. Die Zahl der ursprünglich 521 Vermisstmeldungen, die das fedpol zu bearbeiten hatte, wurde aber nach und nach kleiner. Einige Fälle stellten sich als Missverständnisse heraus und andere Vermisste tauchten wieder auf. Die allermeisten der Schweizer Opfer sind in Thailand umgekommen.

122 Millionen Franken Hilfe

Die Glückskette hat für die Opfer des Seebebens in Südostasien bis heute 226 Mio. Franken an Spenden erhalten. Bisher wurden 90 Projekte im Gesamtbetrag von 122 Mio. bewilligt. Projekte für weitere 34 Mio. Franken sind gegenwärtig in Abklärung.

Das System Glückskette habe sich bewährt, die Hilfe nach dem Tsunami laufe rascher als erwartet, stosse aber immer wieder auf Schwierigkeiten: So bilanziert die Glückskette ein Jahr nach der Katastrophe die Arbeit ihrer Partner-Hilfswerke.

Die von der Glückskette gesammelten 226 Mio. Franken stellen die bisher bei weitem erfolgreichste Sammelaktion der Stiftung dar. Das entspreche 32 Franken pro Kopf der Bevölkerung, sagte am Donnerstag Glückskette-Präsident Remigio Ratti in Bern vor den Medien: «Das ist ein Weltrekord.»

Grösste Solidaritätswelle

90 Prozent der Spenden kamen von Einzelpersonen und 10 Prozent von Firmen. Roland Jeanneret, Leiter Kommunikation der Glückskette, sprach von der «vielleicht grössten Solidaritätswelle, welche es in den letzten Jahrzehnten in der Schweiz gegeben hat».

Die Dimension des Ereignisses, der Solidaritätswelle und der Komplexität in den betroffenen Ländern habe der Projektkommission der Glückskette «viele, viele schlaflose Nächte beschert», sagte deren Präsident Andreas Blum. Letztlich sei alles gut gegangen.

Die Glückskette finanziert Projekte von 17 Schweizer Hilfswerken und von rund 10 privaten Hilfsaktionen in den fünf Ländern Indien, Indonesien, Somalia, Sri Lanka und Thailand. Haupteinsatzgebiete sind Sri Lanka (46 Mio.) und Indonesien (40 Mio.).

Die Flutwelle am 26. Dezember 2004 im Indischen Ozean forderte in 12 Anrainerstaate nach offiziellen Angaben 226 500 Tote (wovon 50 000 Vermisste), 125 000 Verletzte und 2,3 Mio. Obdachlose. Sie richtete einen Schaden von 14 Mrd. Dollar an.

Vielfältige Hilfe

Für Not- und Soforthilfe sowie erste Übergangslösungen setzte die Glückskette 22 Mio. Franken ein. Damit wurden Zelte, Decken, Medikamente, Lebensmittel, Küchensets, Boote, Fischernetze und Plachen bezahlt. Das meiste Material wurde an Ort und Stelle beschafft oder in Nachbarländern.

Für die Unterbringung von Obdachlosen bei Privaten und für einen Teil der Aufräum- und Bauarbeiten werden so genannte Cash-Programme angewendet: Die Betroffenen werden für ihre Mitarbeit namentlich erfasst und direkt bezahlt.

Die Phase Wiederaufbau/Entwicklung ist angelaufen. Sie umfasst den Bau von ganzen Dörfern, mehreren tausend Häusern, Schulen und Spitälern. Es werden Boote, Fischereiausrüstungen, Wasserver- und- entsorgungsanlagen beschafft. 4500 traumatisierte Kinder werden psychosozial betreut.

Umweltmassnahmen sehen die Aufforstung von Mangroven oder das Einrichten von Familiengärten zur Selbstversorgung vor. Der Start von Kleinunternehmen wird mit Mikrokrediten gefördert. Personen, die ihre Arbeit verloren, werden Umschulungen angeboten.

In der Schweiz beteiligte sich die Glückskette an den Kosten für die psychologische Betreuung von Schweizern bei ihrer Rückkehr aus Südostasien und finanzierte ein Ferienlager in der Schweiz für vom Tsunami betroffene Kinder.

Quelle: AP/SDA

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