Aktualisiert 05.05.2015 16:06

Mit Videos gegen Fussballfans«Bisher haben wir 35 Täter erwischt»

Mit Kameras gegen Chaoten: Die Swiss Football League nimmt mit dem neu lancierten Projekt «Focus One» Auswärtsfans ins Visier.

von
pbt/ete
26 Dossiers beziehen sich auf das Spiel vom 12. April, als es in Basel beim Spiel gegen den FC Zürich zu Gewaltakten kam.

26 Dossiers beziehen sich auf das Spiel vom 12. April, als es in Basel beim Spiel gegen den FC Zürich zu Gewaltakten kam.

Die Swiss Football League (SFL) will Gewalttäter bei Fussballspielen besser identifizieren und sanktionieren können. Ins Visier kommen vor allem die Auswärtsfans. Neu setzt die SFL bei Risiko-Spielen Kamerateams ein, die auch ausserhalb des Stadions filmen.

Das Projekt mit dem Namen «Focus One» wurde bereits Mitte März lanciert, wie SFL-CEO Claudius Schäfer am Dienstag mitteilte. «Es läuft vorerst bis Ende Saison und kostet uns 100'000 Franken.»

Die verdeckten Kamerateams kamen seither an sieben Meisterschafts- und Cupspielen zum Einsatz. Sie bestehen jeweils aus einem Fotografen und zwei Videoleuten. Es handelt sich um Angestellte derselben Firma, die auch Sozialhilfe-Betrüger filmen und entlarven lässt. «Bisher haben wir 35 Täter bei konkreten Vergehen erwischt. Die Dossiers haben wir den Strafvverfolgungsbehörden übergeben», so Schäfer. Allein 26 Fälle betreffen die Partie vom 12. April in Basel, als FCZ-Anhänger für einen Spielunterbruch sorgten.

Noch nicht einheitlich

Trotz der laut Schäfer «sehr guten Ausbeute» hat das Projekt auch Mängel. So werden die lokalen Behörden vor den Spielen jeweils angefragt, ob die Kamerateams zum Einsatz kommen dürfen. «Wir haben schon Absagen erhalten. In einem anderen Fall wurde uns ein Entscheid in sechs Monaten in Aussicht gestellt.» Schäfer will nicht sagen, an welchen der zehn Super-League-Spielorten es mit der Umsetzung hapert. «Sonst haben die Täter für dieses Stadion quasi einen Freipass.»

Rechtlich umstritten

Unklar ist auch, wo ausserhalb des Stadions überall gefilmt werden darf und welches Beweismaterial die Gerichte überhaupt zulässig ist. Die Liga hat vom eidgenössischen Datenschutzbeauftragten Richtlinien erhalten. «Wenn Private heimlich Videoaufnahmen von Personen machen, ist dies grundsätzlich heikel», teilte Francis Meier, Sprecher des Datenschutzbeauftragten, mit. «Es liegt im Ermessen der Gerichte, ob sie heimlich gemachte Aufnahmen in einem Verfahren als Beweismittel zulassen. Je schwerer die Tat, die auf den Bildern festgehalten wird, desto eher dürfte die Interessensabwägung zugunsten einer Verwendung der Bilder tendieren.» Generell rät Meier, dass die Kamerateams das Filmen der Fangruppen mit der Polizei absprechen und in deren Sicherheitsdispositiv integrieren.

Derzeit kommen die Kamerateams nur bei Spielen mit hohem Gefahrenpotenzial zum Einsatz. Gefilmt werden dürfen nur Ausschreitungen, keine friedlichen Fanmärsche. Das Filmmaterial darf nicht länger als nötig aufbewahrt werden. Trotz diesen Einschränkungen kann sich Schäfer gut vorstellen, dass das Projekt «Focus One» auch nächste Saison weitergeführt wird. «Wir können damit aber nicht versprechen, dass es nicht erneut zu Vorfällen kommt. Aber wir wollen, dass diese nicht ungestraft geschehen.»

«Good Hosting»

Schäfer wie auch SFL-Präsident Heinrich Schifferle betonen, dass die Gewalt im Fussball nur gemeinsam eliminiert werden könne. Seit Ende der vergangenen Saison befasst sich deshalb eine Ad-hoc-Gruppe Sicherheit mit dieser Problematik. Die Personen aus Klubs und Behörden sind zum Schluss gekommen, dass Gästefans in den Stadien wieder freundlicher empfangen werden sollen.

So erklärte Vertreter und YB-CEO Alain Kappeler, dass die Klubs die behelmten Sicherheitsleute beim Eingangsbereich der Gästefans wieder durch eigene Stewards ersetzen wollen. YB hat das in den letzten drei Heimspielen bereits umgesetzt. «Die Erfahrungen sind positiv, die Stimmung war weniger gereizt», so Kappeler.

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