Trockenperiode: «Bisher überwiegen die Vorteile»
Aktualisiert

Trockenperiode«Bisher überwiegen die Vorteile»

Von wegen Regenmangel: Bisher nützt der sommerliche Frühling den Landwirten. Hans Rüssli vom Schweizer Bauernverband über die guten Seiten der Dürre.

von
Joel Bedetti
Es blüht und wächst: Die Hitze tut der Landwirtschaft gut - noch.

Es blüht und wächst: Die Hitze tut der Landwirtschaft gut - noch.

20 Minuten Online: Herr Rüssli, freuen sich die Schweizer Bauern eigentlich über das schöne Wetter?

Hans Rüssli: Klar, wie jeder andere freuen sich Bauern, setzen sich an die Sonne und werfen den Grill an.

Spass beiseite. Obwohl überall über den fehlenden Regen gejammert wird, hat die Hitzeperiode auch sonst Vorteile.

Ja, das ist so, vor allem für Reb- und Obstbauern. Die Wärme hat die Salate schnell reifen lassen. Das Saisonangebot ist ungewöhnlich reich. Auch die Reben treiben aus, 10 Tage früher als sonst. Dank der Hitze bestäuben die Bienen in vollem Einsatz die Obstbäume, ausserdem verbreiten sich Pilzerkrankungen und andere Schädlinge in der Hitze kaum. Es könnte dieses Jahr eine gute Gemüseernte geben. Zudem wird der Boden durch die Hitze tragfähiger, das Setzen von Kartoffeln wird beispielsweise leichter. Aber auch Viehbauern freuen sich. Die Herden zerstören auf dem trockenen Boden keine Grasnarben.

Das sind aber viele Vorteile.

Ja, bisher überwiegen die Vorteile der Trockenperiode. Wenn aber mit dem Mai der Regen nicht kommt, wird es schwierig. Dann muss man im grossen Stil künstlich bewässern.

Sind die Bauern dafür ausgerüstet?

Bewässerung ist geld- und zeitaufwändig. Das machen nur Bauern, die Obst, Gemüse oder Kartoffeln anpflanzen, also Produkte, die pro Fläche viel Ertrag und Umsatz versprechen. Getreidefelder und Wiesen werden in der Regel nicht bewässert, Maisfelder nur teilweise, der Aufwand würde sich nicht lohnen.

Wenn es nicht mehr regnet, trocknen aber die Gewässer aus. Dürfen die Bauern die trotzdem anzapfen?

Die meisten Landwirte zapfen mit einer Konzession aus Flüssen oder Seen Wasser ab. Bei den grösseren Gewässern ist es meines Wissens noch nie zu einer Sperrung wegen Dürre gekommen, bei kleineren Seen oder Flüssen aber schon. Wer auf Nummer sicher gehen will, zapft Wasser aus dem öffentlichen Netz. Das ist aber teuer. Alternativ kann man mit Zisternen Regenwasser sammeln.

Hans Rüssli ist Sprecher des Bauernverbandes und Redaktor bei der «BauernZeitung»

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