Uli Forte: «Bisher Walzer – nun hoffentlich Rock 'n' Roll»
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Uli Forte«Bisher Walzer – nun hoffentlich Rock 'n' Roll»

Uli Forte hat mit YB Rang zwei gefestigt. Nun nimmt der Trainer bereits die Champions League ins Visier.

von
P. Berger & E. Tedesco
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Die YB-Trainer seit 2005Uli Forte (seit 1. Juni 2013): Seit der Eröffnung des Stade de Suisse (am 30. Juli 2005) wurden bei YB sechs Trainer entlassen. Im Durchschnitt waren sie 529 Tage im Amt. Bei Forte waren es am 6. August 2015 genau 766 Tage. Nur einer blieb in den letzten zehn Jahren länger.

Die YB-Trainer seit 2005Uli Forte (seit 1. Juni 2013): Seit der Eröffnung des Stade de Suisse (am 30. Juli 2005) wurden bei YB sechs Trainer entlassen. Im Durchschnitt waren sie 529 Tage im Amt. Bei Forte waren es am 6. August 2015 genau 766 Tage. Nur einer blieb in den letzten zehn Jahren länger.

Keystone/Filip Singer
Bernard Challandes (8. April bis 30. Mai 2013): Der Neuenburger übernahm von Martin Rueda für den Rest der Saison. Challandes war 62 Tage YB-Trainer, wurde aber nicht entlassen, sondern erhielt keinen Anschlussvertrag.

Bernard Challandes (8. April bis 30. Mai 2013): Der Neuenburger übernahm von Martin Rueda für den Rest der Saison. Challandes war 62 Tage YB-Trainer, wurde aber nicht entlassen, sondern erhielt keinen Anschlussvertrag.

Keystone/Lukas Lehmann
Martin Rueda (1. Juli 2012 bis 7. April 2013): Rueda übernahm die Nachfolge von Christian Gross. Er leitete 280 Tage lang die sportlichen Geschicke bei den Bernern.

Martin Rueda (1. Juli 2012 bis 7. April 2013): Rueda übernahm die Nachfolge von Christian Gross. Er leitete 280 Tage lang die sportlichen Geschicke bei den Bernern.

Keystone/Peter Schneider

Uli Forte, Sie sind seit 692 Tagen YB-Trainer. Nur Vladimir Petkovic war mit 1000 Tagen im Stade de Suisse länger im Amt.

Ich habe ja noch ein Jahr einen Vertrag. Vlado zu schlagen, ist eines meiner Ziele (lacht).

Das bedeutet, Sie erfüllen den Vertrag, auch wenn plötzlich im Sommer ein Angebot kommt?

Davon gehe ich aus. Wir sind bei YB sehr gut aufgestellt. Von den Besitzern Andy und Jöggi Rihs über den Verwaltungsrat, CEO Alain Kappeler und Sportchef Fredy Bickel bis zum Staff. Das ist die Bedingung, um erfolgreich sein zu können. Wir haben bei YB etwas aufgebaut, das jetzt langsam Früchte trägt. Jetzt wird es erst lustig, jetzt beginnt die Musik zu spielen. Ich hoffe, Rock-'n'-Roll-Musik. Bisher war es Walzer (lacht). Ich wäre deshalb schlecht beraten, wenn ich gehen würde.

Auch, wenn die Bundesliga rufen würde?

Ja. Erstens läuft hier noch ein Projekt, zweitens wollen Fredy und ich hier etwas reissen, und drittens muss auch ich mir noch viel Rüstzeug für die Bundesliga aneignen. Das sage ich auch immer den Spielern. Nur gilt das für einen Trainer noch mehr. Denn um in der Bundesliga bestehen zu können, muss man brutal bereit sein.

Bickel kündigte bei seiner Ankunft einen Titel innerhalb von drei Jahren an, nächste Saison ist das dritte Jahr.

Als Trainer will man jedes Jahr einen Titel. Aber man kann nicht zaubern. Titel muss man vorbereiten und sich erarbeiten. Ich will mit YB ja nicht einen Titel erreichen und dann ist alles wieder vorbei. Sondern wir wollen YB auf ein Level bringen, damit der Klub jedes Jahr als Titelanwärter gilt.

Was fehlt dazu noch?

Wir sind eine gute Truppe, aber wir müssen uns noch stärker entwickeln. Ich rede nicht von Flanken mit dem linken oder rechten Fuss. Ich spreche von der Kompaktheit, von der Homogenität innerhalb des Teams.

Sprechen Sie die Mentalität an?

Auch. Wir sind im Herbst gestärkt aus der Krise gekommen. Das war mitentscheidend, dass wir nun über eine viel grössere Stabilität verfügen. Aber der Mentalitätswechsel hin zum Siegerteam muss noch ausgeprägter werden. Wir hatten im ersten Jahr extreme Schwankungen, jetzt auch noch, wenn auch viel weniger. Solche Einbrüche dürfen wir uns nicht mehr erlauben, denn drei Niederlagen in Serie verträgt es nicht.

Was fehlt sonst noch?

Entscheidend ist das Kader. Wir brauchen punktuelle Verstärkungen wie Hoarau. Was wir nicht dürfen, ist das Kader mit Ergänzungsspielern auffüllen. Die Zuzüge müssen besser sein als die Abgänge. Aber das haben Sportchef Fredy Bickel und Chefscout Stéphane Chapuisat gut im Griff.

Wie bringt man Topspieler nach Bern?

Die Champions League wäre ein wichtiger Köder, ein riesiger Trumpf. Die Schwierigkeit ist aber, dass man diesen Trumpf dann auch wirklich spielen kann.

Wären auch Leihspieler eine Option?

Kurzfristig einen Leihspieler im Team zu haben, ist immer eine Möglichkeit. Aber langfristig eher nicht. Wir wollen keine Söldnertruppe, denn solche Spieler gehen nicht unbedingt vorneweg, wenn es schlecht läuft.

Könnte YB Abgänge von Steffen, Sanogo oder Mvogo verkraften?

Sicher würden uns diese schmerzen. Ich sage den Spielern stets: Geht nicht zu früh. Für mich ist klar, dass Steffen und Mvogo sicher noch ein Jahr bleiben sollten. Sie müssen noch besser werden und sich weiterentwickeln, um dann im Ausland wirklich bestehen zu können.

Wo liegt der Fokus bis zum Saisonende, nachdem Platz 2 so gut wie fix ist?

Auf keinen Fall dürfen wir uns jetzt zurücklehnen. Die Champions-League-Qualifikation steht nächste Saison an. Dahin schielen wir. Denn wir wollen wieder in eine europäische Gruppenphase. Aber das ist immer eine riesige Herausforderung.

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