Boomende Privatpartys in Zeiten von Corona: «Bitte geht auf keine Halloween-Partys»
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Boomende Privatpartys in Zeiten von Corona«Bitte geht auf keine Halloween-Partys»

Trotz steigender Covid-Infektionszahlen veranstalten Privatpersonen in der Schweiz fleissig Halloween-Partys. Maria (28) appelliert an die Vernunft. Auch ein Infektiologe rät von den Festen ab.

von
Bettina Zanni

Für Maria Yojaidy Cabrera steht fest: Halloween-Partys sollten dieses Jahr ins Wasser fallen.

Darum gehts

  • Der steile Anstieg der Corona-Infektionen hält viele Menschen nicht davon ab, Halloween-Partys zu veranstalten.

  • Während manche Eingeladene das Fest bedenkenlos besuchen, sehen andere klar von einer Teilnahme ab.

  • «Jetzt ist der falsche Zeitpunkt für Halloween-Partys», sagt auch Infektiologe Huldrych Günthard.

Feste mit Familien und Freunden empfiehlt der Bund wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus wenn möglich zu vermeiden. Am Mittwoch ging der Bundesrat noch einen Schritt weiter. Private Veranstaltungen sollten derzeit nicht mehr durchgeführt werden, sagte Gesundheitsminister Alain Berset (SP). Trotzdem werden in der Schweiz fleissig Einladungen zu Halloween-Partys verschickt, während viele öffentliche Partys abgesagt wurden. «Ich habe von mehreren Freunden eine Einladung für eine Halloween-Party erhalten», sagt L.V.* (20). Wahrscheinlich werde er als Joker verkleidet eine Homeparty besuchen. «Es kommen mindestens 30 Leute, da jeder auch noch eine Begleitung mitnehmen kann.»

Am Anfang habe er vor dem Virus Angst gehabt, sagt der Lernende. «Jetzt aber nicht mehr, da ich weiss, dass die Infektion bei jungen Menschen meist harmlos verläuft.» Zudem nähere er sich älteren Leuten nicht. Um besondere Massnahmen werde er an der Party nicht besorgt sein. «Dort sind viele Leute, die ich kenne. Daher werden wir keine Hygienemaske tragen.»

«Einer infiziert, viele leiden»

Andere Empfänger von Einladungen hingegen haben die Party am 31. Oktober aus ihrem Programm gestrichen. Sie hätte an einer Halloween-Party zu Hause bei einer Freundin mit rund 20 Gästen teilnehmen können, sagt Maria Yojaidy Cabrera (siehe Video oben), Mutter und angehende Lernende aus dem Kanton Basel-Stadt. Solche Einladungen seien ja nett gemeint. «Man will nach der schweren Zeit, die wir bereits hatten, Zeit mit Freunden verbringen.» Doch die Gesundheit gehe vor, so die 28-Jährige. «Zu Corona-Zeiten sollte man solche Feste nicht machen.» Auch junge, gesunde Menschen könnten von heute auf morgen krank werden.

«Bitte überdenkt die Sache nochmals und geht auf keine Halloween-Partys, falls ihr eine Einladung bekommen habt», so Marias Appell. «Wenn nur einer an der Party infiziert ist, leiden nachher viele andere Menschen darunter.»

Kostüme schützen nicht

Auch Epidemiologen raten von Halloween-Partys ab. «Jetzt ist der falsche Zeitpunkt für Halloween-Partys», sagt Huldrych Günthard, Infektiologe am Universitätsspital Zürich. Der Sinn solcher Feiern sei, dass die Gäste sich nahe kämen, tanzten und es lustig hätten. «Wenn man all das nicht machen kann, macht die Party doch ohnehin keinen Spass mehr.» Demnach sollte ein Verzicht darauf nicht allzu schmerzhaft sein.

Wer glaubt, dass eine Halloween-Maske und lange Kostüme besonders vor einer Ansteckung schützen, wiegt sich in falscher Sicherheit. «Kostümmasken haben Löcher zum Atmen und keine speziellen Filter. Da dringen Tröpfchen ohne Problem durch», erklärt Günthard. Auch würden Kostüme niemals den Schutz geprüfter Schutzanzüge bieten.

«Kleines Treffen draussen»

Das Feiern mit Leuten, die man als gut bekannt bezeichnet, minimiert das Ansteckungsrisiko laut Günthard nicht. Im Lockdown im Frühling seien die meisten Menschen nur noch in gewissen und immer denselben Kreisen verkehrt. «Jetzt hingegen sind die Kontakte viel breiter gestreut, da man alles machen kann – zum Beispiel reisen, ins Fitness oder ins Restaurant gehen.»

Halloween-Fans, die trotz Corona auf das Fest nicht verzichten wollen, rät Günthard zu einem kleinen Treffen draussen. «Zum Beispiel könnte eine Gruppe mit Abstand um ein Feuer stehen, etwas trinken und dann bei Zeiten wieder nach Hause gehen.»

Das gilt für private Feiern

Spontane Menschenansammlungen von mehr als 15 Personen sind im öffentlichen Raum seit dem 19. Oktober verboten. Auch stellte der Bundesrat Regeln für private Veranstaltungen mit mehr als 15 Personen auf. An privaten Veranstaltungen mit über 15 Personen darf künftig nur sitzend konsumiert werden. Wer nicht an seinem Platz sitzt, muss eine Maske tragen. Ausserdem müssen die allgemeinen Hygieneregeln eingehalten und die Kontaktdaten erhoben werden. Private Veranstaltungen mit über 100 Personen müssen analog den öffentlichen Veranstaltungen über ein Schutzkonzept verfügen, sie dürfen zudem nur in öffentlich zugänglichen Einrichtungen durchgeführt werden. Einige Kantone haben noch strengere Einschränkungen erlassen.

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