Aktualisiert 28.07.2016 18:52

Unwetter im Weisstannental«Bitte nicht schon wieder wir»

Die Fischzucht und der Gnadenhof Schwendi im Weisstannental SG wurden innerhalb eines Jahres zum zweiten Mal vom Mülibach überschwemmt.

von
jeb
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«Es ist frustrierend.» Ehepaar Gmür vor der Fischzucht in Schwendi im Weisstannental SG.

«Es ist frustrierend.» Ehepaar Gmür vor der Fischzucht in Schwendi im Weisstannental SG.

zvg
Zahlreiche Fische sind verendet.

Zahlreiche Fische sind verendet.

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Beim letzten Schaden gab es mehrere Tonnen Fische zu entsorgen.

Beim letzten Schaden gab es mehrere Tonnen Fische zu entsorgen.

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«Nein, nein, nein, nein, nein», schreit Esther Gmür verzweifelt im Video. «Bitte nicht schon wieder wir.» Dabei sieht man, wie der Mülibach in Schwendi SG auf das Gebäude mit der Fischzucht und dem Restaurant Fischerstübli zuströmt.

Schon vor gut einem Jahr, am 9. August 2015, kam der Bach nach einem Unwetter über die Ufer und zerstörte die Fischzucht sowie das Restaurant. Über vier Tonnen Fische mussten danach entsorgt werden, das Restaurant renoviert und Geräte der Fischzucht ersetzt werden. «Wir hatten erst gerade wieder alles hergerichtet und aufgebaut, doch jetzt sieht es wieder aus wie vor einem Jahr», erzählt Gmür frustriert. «Unsere Existenz ist am Boden.» Ob sie weitermachen würden, wisse sie noch nicht. «Wir müssen schauen, ob wir die Kraft nochmals aufbringen können.» Der Schadensfall vom letzten Jahr sei noch nicht einmal abgeschlossen. Klar ist, der Schaden von 2015 beläuft sich bereits auf mehrere hunderttausend Franken.

Tiere blieben verschont

Auch Theresia Seyffert vom Gnadenhof Luna ist am Boden zerstört. Ihr Gnadenhof wurde vor einem Jahr vom Unwetter heimgesucht. Schäden von mehreren zehntausend Franken sind entstanden. Auch dieses Mal hat es den Hof erwischt. Immerhin: den 70 Tieren ist nichts passiert. Kühe, Katzen, Pferde und Pfaue seien wohlauf. Trotzdem: «Es ist so frustrierend! Wir haben erst grad alles wieder hergerichtet, jetzt sind wieder hunderte Steine auf den Wiesen sowie Geröll, Schlamm und Sand.» Man könne wieder von null mit Aufräumen beginnen.

Video: Gnadenhof Luna

Mit Gemeinde unzufrieden

Zum Frust kommt Wut über die Gemeinde hinzu. «Wir hatten der Gemeinde ein Konzept vorgelegt, um Schäden zu mindern – doch dieses wurde ohne nähere Begründung abgelehnt», erzählt Seyffert. Sie wollte querstehende Baumstämme im Boden verankern, um Schutt und Geröll abzuwenden. Bezahlt hätte der Gnadenhof diese Massnahme selbst.

Auch Gmür macht der Gemeinde Vorwürfe: «Man handelt zu wenig rasch. Spätestens seit letztem Jahr ist die Gefahr bekannt, doch es ist nichts Handfestes passiert.» Die Gemeinde habe sie jeweils vertröstet, dass Massnahmen mehr Zeit bräuchten. Bei Gmürs ist der Geduldsfaden gerissen. Mit einem Anwalt wolle man prüfen, ob eine zeitnahe Umsetzung gefordert werden könne.

Umsetzung nicht von heute auf morgen möglich

Bei der Gemeinde sieht man das anders. Nach dem Unwetter im Sommer 2015 sei man umgehend an die Massnahmenplanung gegangen. Ein Ingenieurbüro wurde beauftragt, die Unwetterschäden zu analysieren. Zudem erstellte ein Fachbüro eine Machbarkeitsstudie, heisst es in einer Medienmitteilung vom Donnerstag.

Eine Umsetzung ist in einer Gemeinde jedoch nicht von heute auf morgen möglich. Denn die Massnahmen dürfen sich nicht auf Einzelobjekte beschränken, sondern es muss eine Gesamtlösung für den ganzen Ortsteil sein. Dabei handle es sich um ein Millionenprojekt, in das auch der Kanton involviert sei. Um Beiträge von Bund und Kanton zu erhalten, brauche es zudem eine Variantenstudie.

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