Bizarre Beziehung: Vier Jahre Haft für Messerstecher
Aktualisiert

Bizarre Beziehung: Vier Jahre Haft für Messerstecher

Weil ein 35-Jähriger seiner
Geliebten (31) ein Messer
in den Bauch gerammt hat, muss er vier Jahre ins Gefängnis. Doch auch das Opfer kommt nicht ungeschoren davon.

von
Sascha Schmid

Das Kreisgericht St. Gallen hat den Mann wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verurteilt. Laut dem am Donnerstag veröffentlichten Gerichtsurteil hat der Mann den Tod seines Opfers in Kauf genommen, weil er ihm ein 20 Zentimeter langes Tranchiermesser in den Bauch stiess. Eine Kurzschlusshandlung oder Notwehr liege nicht vor, urteilte das Gericht. Die Anklage hatte wegen versuchter vorsätzlicher Tötung eine fünfjährige Freiheitsstrafe gefordert. Der Verteidiger verlangte einen Freispruch.

Der 35-jährige Mann muss dem Opfer eine Genugtuungssumme von 15 000 Franken zahlen. Ausserdem sei er gegenüber der ehemaligen Freundin grundsätzlich schadenersatzpflichtig. Zahlen muss der Verurteilte auch Gerichts- und Verfahrenskosten in der Höhe von rund 26 000 Franken.

Die Bluttat geschah am 13. März 2004 in St. Gallen in der Wohnung der Mutter des Opfers, die todkrank im Spital lag. Der Angeklagte hatte seine langjährige Geliebte im Streit mit dem Messer bedroht und geschlagen. Danach zog er sie an den Haaren in die Küche, wo er ihr ein Tranchiermesser in den Bauch rammte.

Der Mann flüchtete zuerst, rief dann aber anonym einen Krankenwagen und stellte sich am andern Morgen der Polizei. Die schwerverletzte Frau überlebte dank einer sofortigen Notoperation.

Vorangegangen war der Bluttat ein heftiger Streit, bei dem der Mann seine Freundin aus Mazedonien der Untreue beschuldigte. Die Freundin warf dem Angeklagten ebenfalls Untreue vor. Tatsächlich war er während der fünf Jahre dauernden Beziehung vier Mal verheiratet.

Scheinehe mit Schweizerin

Seine erste Ehe mit einer Schweizerin soll gemäss dem Bundesamt für Migration eine Scheinehe gewesen sein. Die Behörde verfügte deshalb eine Nichtigkeitserklärung seiner Schweizer Staatsbürgerschaft. Das Verfahren ist derzeit am Bundesverwaltungsgericht hängig.

Bizarre Liebesbeziehung

Wie der Untersuchungsrichter am Mittwoch vor Gericht sagte, hatten die Mazedonierin und der Angeklagte «eine an Obsession grenzende Beziehung». Hintergrund dieser bizarren Liebe sei ihre Hoffnung auf Aufenthalt in der Schweiz gewesen.

Vor Gericht hatte sich auch die heute 31-jährige Geliebte des Angeklagten zu verantworten. Aus Eifersucht soll sie die Ehefrau des Angeklagten und deren Neugeborenes im Spital bedroht haben. Das Kreisgericht St. Gallen sprach sie vom Vorwurf der Drohung frei.

Weil die Mazedonierin illegal in der Schweiz arbeitete, muss sie eine Busse von 300 Franken bezahlen.

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