Aktualisiert 30.03.2013 11:48

Fuchs vs. Sancar

Bizarrer Berner Steuer-Streit endet überraschend

Ein öffentlich ausgetragener Streit um private Steuerrechnungen sorgt in Bern für Schmunzeln. SVP-Banker Thomas Fuchs stellte den grünen Sozialarbeiter Hasim Sancar an den Pranger - und blamierte sich.

von
aeg
Der grüne Sozialarbeiter Hasim Sancar und der SVP-Banker Thomas Fuchs sind sich in die Haare geraten.

Der grüne Sozialarbeiter Hasim Sancar und der SVP-Banker Thomas Fuchs sind sich in die Haare geraten.

Der grüne Sozialarbeiter Hasim Sancar bezahlt deutlich mehr Steuern als der SVP-Banker Thomas Fuchs. Mit diesem überraschenden Resultat endet der kuriose Steuer-Streit, den sich die beiden bernischen Kantonsparlamentarier in dieser Woche lieferten.

Fuchs hatte Sancar am Dienstag in einer Debatte vorgeworfen, gar keine Steuern zu bezahlen. Sancar versteuere bekanntlich «null Einkommen und null Vermögen». Der Grüne widersprach heftig und forderte eine öffentliche Entschuldigung - allerdings vergeblich.

Darauf stellte Sancar seine Steuerunterlagen der Zeitung «Bund» zur Verfügung. Fazit: Sancar und seine Frau zahlten zwischen 2003 und 2010 jährlich Steuern von durchschnittlich 50'000 Franken. Der Politiker bestätigte die Angaben am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Fuchs schreibt Null und «Fast-Null»

Sancar ist diplomierter Sozialarbeiter und leitet eine Beratungsstelle, seine Frau ist Ethnologin und arbeitet beim Bund. Dazu kommen Mieteinnahmen aus einem Mehrfamilienhaus.

Fuchs entgegnete zu seiner Verteidigung, er habe sich einst Sancars Steuerausweis 2005 besorgt. Dieser weise tatsächlich zwei Nullen aus, räumte Sancar ein - weil er damals sein Haus renoviert habe.

Der «Bund» nahm auch Fuchs' Steuerausweise der letzten Jahre unter die Lupe. Der SVP-Mann wies beim steuerbaren Vermögen ebenfalls einmal eine Null und beim Einkommen eine «Fast-Null» aus.

Fuchs unbeeindruckt

Sanierungsarbeiten an Häuser hätten dazu geführt, sagt er. Zudem habe er Angehörige unterstützt, einen sechsstelligen Betrag für den Nationalratswahlkampf ausgegeben, und seit Jahren spende er ein Drittel seines Einkommens an soziale Institutionen.

Alles in allem ergab die Prüfung der Steuerunterlagen, dass Fuchs - Banker und Geschäftsführer des «Bundes der Steuerzahler» - in den letzten Jahren deutlich weniger Steuern zahlte als sein Gegenspieler Sancar.

Fuchs zeigte sich darob ungerührt. «Die Zahlen zeigen, dass man als Sozialarbeiter gut verdienen kann», sagte er auf Anfrage. «Und sie zeigen auch, dass Herr Sancar offensichtlich bestens bei uns integriert ist.» (aeg/sda)

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