Aktualisiert 01.06.2020 14:16

Anti-Rassismus-Demo in Zürich

«Es geht schon zu lange so – jetzt müssen wir alle Stopp sagen»

In Zürich ist es am Montag zu einer Anti-Rassismus-Kundgebung mit über tausend Personen gekommen. Die Polizei liess die Demonstrierenden gewähren.

von
Thomas Mathis

Darum gehts

  • An vielen Orten auf der Welt demonstrieren Menschen nach dem Tod von George Floyd.
  • Auch in Zürich fand am Montag eine Kundgebung mit rund tausend Menschen statt.
  • Die Polizei verzichtete darauf, den Demonstrationszug zu stoppen.

In vielen amerikanischen Städten ist es nach dem Tod von George Floyd zu teilweise heftigen Protesten gekommen. Auch in Europa haben am Sonntag viele Personen demonstriert. In Zürich ist es am Montag ebenfalls zu einem Protestumzug gegen Rassismus gekommen. Daran nahmen über tausend Demonstrierende teil, die laut «Black Lives Matter» riefen.

«Die Schwarzen werden seit Jahrhunderten unterdrückt und es wird endlich Zeit, dass sie sich erheben und etwas tun», sagt eine Demonstrantin zu 20 Minuten. Es sei kein US-amerikanisches, sondern ein weltweites Problem. «Dieses Problem gibt es auch in der Schweiz.» Insbesondere bei Asylverfahren gebe es Fälle von extremer Brutalität.

«Wir tragen Mundschutz und halten Abstand»

Dass sie trotz Veranstaltungsverbot an der Demo teilnahm, begründet die junge Frau so: «Man soll die Vorgaben des Bundes anerkennen. Wir haben Mundschutz getragen und Abstand gehalten. Es ist ein Abwägen, ob man sich an die Corona-Vorgaben halten und kein Risiko eingehen oder sich mit unterdrückten Menschen weltweit solidarisieren soll. Für mich war klar, Menschenleben, Solidarität und diese Bewegung sind wichtiger.»

Eine andere Demonstrantin spricht mit Blick auf die Ereignisse in Amerika von einer Tragödie. «Ich bin Afroamerikanierin und finde keine Worte dafür.» Ein grosser Teil der Demonstrierenden habe sich – wie es sich gehöre – mit Masken geschützt. «Die Massnahmen werden in den nächsten Tagen ja auch gelockert. Darum sehe ich das nicht so eng.» Eine dritte Teilnehmerin sagt: «Es geht schon zu lange so. Irgendwann müssen wir alle Stopp sagen.»

Teilnehmende abgemahnt

Wie die Stadtpolizei Zürich in einer Mitteilung schreibt, haben sich gegen Mittag rund tausend Personen am Bullingerplatz im Kreis 4 versammelt und eine unbewilligte Demonstration durchgeführt. Die Kundgebung führte über die Langstrasse, Hauptbahnhof und Paradeplatz zur Stadthausanlage, wo Reden gehalten wurden.

Um 13.50 Uhr habe eine erste Abwanderung stattgefunden. «Die verbliebenen Demoteilnehmenden wurden kurz nach 14 Uhr auf die geltende Covid-Verordnung des Bundesrates aufmerksam gemacht und abgemahnt», heisst es in der Mitteilung. Danach löste sich die Demonstration auf.

Polizei verzichtete auf ein Stoppen

Unter den Demonstrierenden befanden sich laut der Stadtpolizei auch viele Familien mit Kindern. Ein Teil der Personen trug Mundschütze. Die Demonstration verlief «äusserst friedlich» und entlang der Route kam es zu keinerlei Sachbeschädigungen, heisst es weiter. Die Stadtpolizei Zürich hielt sich im Hintergrund bereit, verzichtete aber aus Gründen der Verhältnismässigkeit auf ein Stoppen des Demonstrationsumzugs.

Seit dem 30. Mai erlaubt sind Treffen in der Öffentlichkeit von maximal 30 Personen. Ab dem 6. Juni dürfen politische und zivilgesellschaftliche Kundgebungen mit bis zu 300 Personen wieder stattfinden – unter der Bedingung, dass eine Person bezeichnet wird, die für die Einhaltung des Schutzkonzepts verantwortlich ist. Die Teilnehmenden müssen die Hygiene- und Verhaltensregeln befolgen können. Veranstaltungen mit mehr als 300 Personen bleiben nach wie vor verboten.

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