Wegen iPhone und Android: BlackBerry zieht die Notbremse
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Wegen iPhone und AndroidBlackBerry zieht die Notbremse

Der angeschlagene BlackBerry-Hersteller Research in Motion (RIM) zieht sich weitgehend aus dem Privatkundengeschäft zurück. Die Auswirkungen des Entscheids sind noch nicht absehbar.

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dsc
RIM will sich auf Geschäftskunden konzentrieren - weil die BlackBerry-Smartphones gegen das iPhone und die Android-Geräte chancenlos sind.

RIM will sich auf Geschäftskunden konzentrieren - weil die BlackBerry-Smartphones gegen das iPhone und die Android-Geräte chancenlos sind.

Research in Motion (RIM) will sich vermehrt auf die Firmenkunden konzentrieren, erklärte das kanadische Unternehmen am Donnerstag. Die Versuche von RIM, auf dem Privatkundenmarkt Fuss zu fassen, scheiterten vor allem an der Beliebtheit der Smartphones von Apple und anderen Herstellern, die auf das Google-Betriebssystem Android setzten. Bei Geschäftskunden sind die BlackBerry-Geräte dagegen weiterhin beliebt.

«Wir planen, unseren Fokus wieder auf das Geschäft mit Geschäftskunden zu legen, um dort von unserer Führungsposition zu profitieren», sagte RIM-Chef Thorsten Heins. Das Unternehmen könne keinen Erfolg haben, «wenn wir versuchen, jedermanns Liebling zu sein und allen Alles zu geben».

Der eigenen Führungsriege scheint dieses Konzept des neuen deutschen Chefs nicht zu behagen. So haben mehrere hochrangige Manager dem Unternehmen zuletzt den Rücken gekehrt - darunter der ehemalige Co-Chef Jim Balsillie, der sich aus dem Direktorium zurückzog.

Auswirkungen nicht absehbar

Die konkreten Auswirkungen, die der Entscheid auf die bestehenden Privatkunden haben wird, sind noch nicht absehbar. Offen ist auch, wie lange die BlackBerry-Geräte für Privatkunden noch im Detailhandel erhältlich sein werden.

Das kanadische Unternehmen hatte lange den Smartphone-Markt für Geschäftskunden dominiert. BlackBerrys gelten vor allem für E-Mails als sicher und zuverlässig. RIM bemühte sich, den Erfolg auch auf den Privatkundenmarkt auszudehnen, scheiterte aber daran, dass seine Telefone von den Nutzern als weniger attraktiv als die Konkurrenzprodukte - allen voran das iPhone von Apple - eingeschätzt werden.

Auch mit Tablet gescheitert

In jüngster Zeit musste RIM auch auf dem Geschäftskundenmarkt Verluste hinnehmen, da immer mehr Mitarbeiter von Unternehmen iPhones oder Android-Geräte statt BlackBerrys verlangen. Apple verkaufte im letzten Quartal 2011 37 Millionen iPhones und damit mehr als RIM mit BlackBerrys in den vergangenen drei Quartalen zusammen. Zuletzt scheiterte das kanadische Unternehmen auch mit einem eigenen Tablet-Computer als Konkurrenz zum iPad von Apple. Das PlayBook vom RIM wird inzwischen zu einem Preis verkauft, der unter den Herstellungskosten liegt.

Auch mit seinen Quartalszahlen blieb RIM hinter den Erwartungen zurück. Im vierten Quartal verbuchte der Konzern einen Verlust von 125 Millionen Dollar oder 24 Cent pro Aktie, wie Heins am Donnerstag bekannt gab. Der Umsatz ging um 25 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar zurück.

Update 4. April:

RIM nimmt gegenüber 20 Minuten Online wie folgt Stellung: «Anstatt zu versuchen, es jedem Nutzer recht zu machen, wird RIM seine Talente und selbstentwickelte Software auf die Sparten des Consumer-Marktes fokussieren, in denen sich BlackBerry besonders auszeichnet – dazu gehört, dass wir eine grossartige Möglichkeit bieten, sich mobil zu vernetzen und produktiv zu sein. Wir werden bereits bestehende und neue Partnerschaften angehen, um zusätzliche attraktive Apps und Services für Kunden zur Verfügung zu stellen.»

(dsc/dapd)

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