Blair droht mit Härte

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Blair droht mit Härte

Grossbritannien und der Iran haben direkte Verhandlungen aufgenommen, um die Krise um die 15 gefangenen britischen Marine-Angehörigen beizulegen. Im Tauziehen um die Gefangenen drohte Premier Tony Blair mit Härte.

London bevorzuge «friedliche, ruhige Verhandlungen, um unsere Leute so schnell wie möglich zurück zu bekommen», sagte Blair. Er wolle aber zugleich «klar machen, dass wir, wenn dies nicht möglich ist, zunehmend härtere Entscheidungen treffen müssen».

Was damit konkret gemeint sein könnte, wollte Blair «im Moment nicht sagen». Die «nächsten 48 Stunden» könnten in den Bemühungen um die Freilassung der Briten «recht entscheidend sein», sagte Blair in einem Radiointerview.

Konziliante Töne aus Teheran

Dabei würdigte er Äusserungen des iranischen Spitzenpolitikers Ali Laridschani, wonach auch Teheran eine diplomatische Lösung anstrebe. Der Vorsitzende des iranischen Sicherheitsrats hatte am Montagabend einem britischen Fernsehsender gesagt, er sehe keinen Grund, die Soldaten vor Gericht zu stellen.

«Unsere Priorität ist es, das Problem auf diplomatischem Wege zu lösen,» erklärte Laridschani, der auch für die Verhandlungen mit dem Westen über das iranische Atomprogramm zuständig ist. Es bringe seinem Land nichts, «ein paar britische Soldaten festzuhalten».

Zugleich verlangte er, Grossbritannien müsse eine Garantie abgeben, dass «solche Grenzverletzungen sich nicht wiederholen werden». Zu einer solchen Zusage ist die Regierung in London laut einem Zeitungsbericht vom Wochenende grundsätzlich bereit.

Ahmadinedschad schweigt

«Das scheint eine gute Zukunftsaussicht zu bieten», sagte Blair zu dem TV-Interview Laridschanis. Die «wichtigste Sache» sei, dass die Iraner die britischen Soldaten endlich freilassen. «Wenn sie dies diplomatisch lösen wollen, ist unsere Tür offen», sagte Blair.

Eine mit Spannung erwartete Medienkonferenz des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad wurde unterdessen auf Mittwoch verschoben. Gründe nannte die Regierung in Teheran nicht.

Politische Beobachter erklärten, dass dies günstig für die Suche nach einer Lösung sein könne. Neue heftige Vorwürfe Ahmadinedschads gegen Grossbritannien könnten Verhandlungen überschatten, hiess es in London.

Umstrittener Grenzverlauf

Der Iran hatte die 15 Briten am Freitag der vorletzten Woche festgenommen, als sie im Schatt el Arab zu einer Patrouille unterwegs waren. Grossbritannien bleibt dabei, dass die Seeleute sich in irakischem Gewässer befunden hätten, als die iranische Marine die Boote aufbrachte.

Der Schatt el Arab trennt den Iran vom Irak; der Grenzverlauf ist umstritten. Der iranische Fernsehsender IRINN meldete am Montag, alle 15 Seeleute hätten zugegeben, sich zum Zeitpunkt ihrer Festnahme am 23. März in iranischem Gewässer aufgehalten zu haben.

Bush gegen Tauschhandel

US-Präsident George W. Bush lehnte einen Austausch von fünf Iranern für die festgehaltenen britischen Marinesoldaten ab. Es werde keine Gegenleistung für die britischen Geiseln geben, sagte er am Dienstag.

US-Armeeeinheiten hatten im Januar im Irak fünf Iraner festgenommen. Laut dem Iran handelt es sich um Diplomaten. Gemäss der US-Armee gehören die Männer zu den Revolutionsgarden. Ihnen wird vorgeworfen, schiitische Milizen im Irak unterstützt zu haben. (sda)

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