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«Blair, du Mörder, fahr zur Hölle!»

Dem britischen Premierminister Tony Blair ist bei einem Besuch in Beirut Wut und Ablehnung entgegengeschlagen. Rund 5000 Menschen demonstrierten gegen die Nahost-Politik Blairs.

Der britische Regierungschef soll im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah nach Meinung vieler zu lange an der Seite von US-Präsident George W. Bush die Forderung nach einem Waffenstillstand blockiert haben.

Parlamentspräsident Nabih Berri, der der Hisbollah nahe steht, liess einen Termin mit dem britischen Regierungschef platzen und auch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ministerpräsident Fuad Siniora kam es zu einem Zwischenfall. «Dieser Besuch ist eine Beleidigung», rief eine Frau vor laufenden Kameras: «Schäm' Dich, Tony Blair.» Sie wurde von Sicherheitskräften aus dem Raum getragen. Siniora sagte: «Wir sind in einer Demokratie, wir respektieren jede Art von Meinung.»

Blair äusserte Verständnis über die hochgehenden Emotionen. Unschuldige Menschen hätten ihr Leben verloren und das Land sei um Jahre zurückgeworfen worden, sagte er beim ersten Besuch eines britischen Regierungschefs im Libanon. Er sagte die Hilfe Grossbritanniens beim Wiederaufbau des Landes zu.

Parlamentspräsident Berri sorgte für einen Affront: Trotz eines vereinbarten Treffens mit Blair hielt sich der schiitische Politiker nicht in der Hauptstadt auf. Die Demonstranten in der Innenstadt wurden von 2.000 Soldaten und Polizisten vom Regierungssitz fern gehalten. «Blair, du bist hier nicht willkommen», hiess es auf einem Spruchband und auf einem anderen: «Im Namen des libanesischen Volkes: Danke für die Zerstörung unserer Häuser, Siedlungen und Erinnerungen.»

Auch in den Medien wurde Blair ein unfreundlicher Empfang bereitet. Die Zeitung «As-Safir» bezeichnete ihn als den «hässlichen Briten». Eine weitere, «Al Balad», schrieb am Sonntag, dass es zu Unruhen kommen könnte.

Blair kam von Nahost-Gesprächen in Jerusalem und Ramallah und hielt sich nur wenige Stunden in der libanesischen Hauptstadt auf. Er war der zweite westliche Regierungschef in Beirut seit der israelischen Militäroffensive, die der schiitischen Hisbollah-Miliz galt, aber viele Opfer in der Zivilbevölkerung forderte. Dass er wie US-Präsident George W. Bush Forderungen nach einen sofortigen Waffenstillstand nicht unterstützte, wurde als stillschweigendes Billigen der Angriffe aufgefasst. In seiner eigenen Labour-Partei führte diese Haltung zu einer Revolte gegen Blair und Forderungen, baldmöglichst sein Amt an einen Nachfolger zu übergeben. Widerstrebend sagte er das am vergangenen Donnerstag für das kommende Jahr zu.

Blair verteidigte sich mit den Worten, ein sorgfältiger und dauerhafter Waffenstillstand sei wichtiger gewesen als eine schnelle Waffenruhe, die nicht eingehalten wird. (dapd)

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