Blair: «Irak-Krieg hat Grossbritannien gespalten»
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Blair: «Irak-Krieg hat Grossbritannien gespalten»

Gleichwohl stehe er dazu, dass die Welt ohne Saddam Hussein an der Macht ein besserer Ort sei, sagte der britische Premierminister Tony Blair auf dem Parteitag seiner Labour Party im südenglischen Seebad Brighton.

Gleichwohl stehe er dazu, dass die Welt ohne Saddam Hussein an der Macht ein besserer Ort sei, sagte Blair am Dienstag auf dem Parteitag seiner Labour Party im südenglischen Seebad Brighton. Zu Beginn seiner Rede gab es Zwischenrufe, in denen Blair unter anderem vorgeworfen wurde, Blut an den Händen zu haben.

«Ich verstehe, warum viele anderer Meinung sind», sagte Blair. Er bekannte sich auch dazu, dass niemals irakische Massenvernichtungswaffen gefunden wurden und der seinerzeit wichtigste Grund für den Irak-Krieg damit entfiel: «Ich kann mich dafür entschuldigen, dass sich unsere Informationen als falsch erwiesen haben, aber ich kann mich nicht ernsthaft dafür entschuldigen, dass Saddam Hussein gestürzt wurde.» Weiter rief Blair alle Briten auf, ihn nunmehr dabei zu unterstützen, im Irak demokratische Verhältnisse zu schaffen.

Blair wollte auf dem Labour-Parteitag, dem vermutlich letzten vor der nächsten Unterhauswahl, eigentlich die Innenpolitik zum Schwerpunkt machen. Die Entführung des britischen Ingenieurs Kenneth Bigley sowie der Tod zweier britischer Soldaten bei Basra am Dienstag zwangen ihn nach Einschätzung von Beobachtern aber dazu, sich zur Lage im Irak zu äussern. Der Premierminister bekräftigte in diesem Zusammenhang seine frühere Aussage, dass ein Regierungschef stets tun müsse, was richtig sei, auch wenn das von der Öffentlichkeit nicht immer verstanden werde.

Schon vor der Rede Blairs versammelten sich in Brighton zahlreiche Demonstranten, die das vom Unterhaus gebilligte Verbot der Fuchsjagd anprangerten. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Kadaver eines Pferdes und zweier Kälber vor das Konferenzgebäude sowie den Bahnhof der Stadt geworfen. Beobachter vermuteten, dass es sich dabei um eine Protestaktion der Landbevölkerung handelte, die tief in der Fuchsjagd verwurzelt ist und davon auch wirtschaftlich profitiert.

Eine weitere Herausforderung für Blair war die Forderung von 64 Prozent der Parteitagsdelegierten nach neuerlicher Verstaatlichung der britischen Eisenbahn. Das Ergebnis ist für die Regierung allerdings nicht bindend. Schatzkanzler Gordon Brown hatte sich vor der Abstimmung am Montagabend entschieden gegen eine Rücknahme der Privatisierung gewandt, da dies nach seinen Angaben 22 Milliarden Pfund (32,3 Milliarden Euro) kosten würde. Die britische Eisenbahngesellschaft war Mitte der 90er Jahre von der konservativen Regierung unter John Major privatisiert worden, danach häuften sich Verspätungen und Unfälle. (dapd)

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