Blair: Nur ein Tag Pause
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Blair: Nur ein Tag Pause

Nach seiner Behandlung wegen Herzrhythmusstörungen gönnt sich der britische Premierminister Tony Blair nur eine kurze Pause.

Eine für den Nachmittag geplante Rede vor dem Parlament wurde abgesagt. Der Regierungschef nehme aber an den «üblichen Konferenzen» teil, teilte eine Sprecherin mit, ohne Einzelheiten zu nennen.

Am Dienstag werde Blair seine Amtsgeschäfte aller Voraussicht nach wieder aufnehmen. Der 50-Jährige musste am Sonntag wegen Herzrhythmusstörungen überraschend für fünf Stunden ins Krankenhaus.

Während ein unregelmässiger Herzschlag bei älteren Menschen weit verbreitet ist, tritt das Problem in Blairs Altersgruppe seltener auf: Rund vier Prozent aller Männer zwischen 45 und 55 Jahren seien betroffen, heisst es in einem Bericht der Britischen Stiftung für Herzkrankheiten (British Heart Foundation) von 1999. Zu den Auslösern zählen nach Angaben der Stiftung Stress, zu viel Koffein und genetische Faktoren. Blair steht seit Beginn des Irak-Kriegs sowohl in der Öffentlichkeit als auch parteiintern stark unter Druck.

Es sei nicht unbedingt damit zu rechnen, dass das Leiden wieder auftreten werde, sagte der Kardiologe Duncan Dymond dem britischen Rundfunksender BBC. «Es gibt Menschen, die haben in ihrem ganzen Leben nur einen einzigen Anfall. Es könnte auch sein, dass das Problem erst in fünf oder zehn Jahren wieder auftritt», sagte Dymond. «Es gibt keinen Grund, warum er aufhören sollte, Premierminister zu sein.»

Die Nachricht von Blairs Krankenhausbesuch hatte in Grossbritannien einen Schock ausgelöst. Bislang galt er wegen seines jugendlichen Aussehens als kerngesund, von gelegentlichen Erkältungen abgesehen. In letzter Zeit wirkte er allerdings zunehmend müde und abgespannt. «Man sieht mir mein Alter jetzt an», hatte der Premierminister auf dem Labour-Parteitag Ende September gesagt.

Vor dem Irak-Krieg setzte Blair all seine Energie ein, um seine Labour Party auf seinen pro-amerikanischen Kurs einzuschwören. Später geriet er unter Druck, da die als Kriegsgrund angeführten irakischen Massenvernichtungswaffen nie gefunden wurden. Die Affäre um den Selbstmord des Waffenexperten Kelly stürzte Blair in seine bislang schwerste Glaubwürdigkeitskrise.

Sollte Blair länger ausfallen, würde Vizepremier John Prescott seine Amtsgeschäfte führen. Wenn ein Premierminister der Labour Party sein Amt gar nicht mehr ausüben kann, muss die Partei laut ihren Statuten einen Nachfolger wählen. (dapd)

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