«Sex-Verzicht»: Blatter soll sich entschuldigen
Aktualisiert

«Sex-Verzicht»Blatter soll sich entschuldigen

Nachdem Sepp Blatter homosexuellen Fans geraten hat, an der WM 2022 in Katar auf Sex zu verzichten, fordert die Gay SVP eine Entschuldigung, während sich Pink Cross mit einem offenen Brief meldet.

von
jcg

(Video: Keystone)

Im streng muslimischen Katar, das 2022 die Fussball-Weltmeisterschaft ausrichtet, ist Homosexualität illegal. Für schwule und lesbische Fussball-Fans sind das unerfreuliche Aussichten. Für FIFA-Präsident Sepp Blatter scheint das Problem dagegen wenig dringend zu sein. Und so liess er am Montag, wohl halb im Scherz, verlauten: «Wenn Leute 2022 ein Spiel in Katar sehen wollen, werden sie hineingelassen.» Homosexuelle Fans sollten allerdings «sexuelle Aktivitäten unterlassen». Schwulen- und Lesbenorganisationen war ob dieser Aussage aber nicht zum Lachen zu Mute. Auf der ganzen Welt wurden Rufe nach einer Entschuldigung Blatters laut.

Nun hat auch die Gay SVP in die Kritik eingestimmt. Für sie ist die Aussage von Sepp Blatter inakzetabel. Auch der FCZ-Fanclub für Schwule und Lesben fordert eine Entschuldigung des Fifa-Präsidenten (siehe Video oben).

Die Schweizerische Schwulenorganisation Pink Cross hat derweil das Mittel des offenen Briefes gewählt, um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen. Hier der offene Brief im Wortlaut:

Kein Sex für Schwule in Katar

«Lieber Sepp Blatter,

Katars Bewerbungsvideo

Schwule sollen 2022 in Katar auf Sex verzichten, wenn sie an die Fussball-WM reisen, haben sie in Johannesburg gesagt. Schwulen und Lesben drohen in Katar bei gleichgeschlechtlichen Handlungen 5 Jahre Knast oder 90 Stockhiebe, oder auch beides. Und dass die Katari es ernst meinen, können Sie selber nachlesen. Sie haben die Vergabe der WM nach Katar verteidigt mit dem Hinweis, der Westen solle sich nicht so aufspielen, Fussball entwickle sich und sei nicht nur etwas für überhebliche Europäer oder Südamerikaner. Muss ich nun daraus schliessen, dass Weiterentwicklung heisst, dass Schwule und Lesben akzeptieren müssen, dass ihre Sexualität mit massiven Strafen bedroht wird? Ist das die Zukunft, die Sie wollen, vorwärts in die Vergangenheit? Da ist das Alkoholverbot an der WM in Katar ja im Vergleich gerade noch harmlos.

Lieber Sepp Blatter, vielleicht spielt Sexualität in ihrem Alter keine grosse Rolle, im März werden Sie ja 75 Jahre alt, vielleicht ist Geld für Sie jetzt wichtiger. Vielleicht erinnern Sie sich, als Sie noch jünger waren: Sex hat viel mit Emotionen zu tun, Fussball auch, wie Sie selber immer wieder betonen. Sex und Fussball sind also, wenn man so will, Brüder. Wie wär's darum, wenn Sie konsequent wären, nicht nur einen Sex-Verzicht für Schwule in Katar zu predigen, sondern auch gleich einen Fussballverzicht für die Mannschaften an der WM?

Freundliche Grüsse

Uwe Splittdorf

Geschäftsleiter PinkCross»

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