Fifa-Kritiker Jennings: «Blatter zeigt Europa den Mittelfinger»
Aktualisiert

Fifa-Kritiker Jennings«Blatter zeigt Europa den Mittelfinger»

Der Fifa-Kritiker Andrew Jennings ist vom neusten Korruptions-Report nicht überrascht. Mit 20 Minuten sprach der 71-jährige Journalist über Blatter, Garcia und Eckert.

von
Adrian Hunziker
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Am Donnerstag, dem 18. Dezember auferlegte die Fifa Katar ein Ultimatum zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensumstände der Gastarbeiter.

Am Donnerstag, dem 18. Dezember auferlegte die Fifa Katar ein Ultimatum zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensumstände der Gastarbeiter.

Keystone/AP/Christophe ena
Die Fifa-Ethikkommission spricht Russland und Katar am 13. November 2014 von Korruptionsvorwürfen betreffend die Vergabe der beiden Weltmeisterschaften frei.

Die Fifa-Ethikkommission spricht Russland und Katar am 13. November 2014 von Korruptionsvorwürfen betreffend die Vergabe der beiden Weltmeisterschaften frei.

Keystone/Steffen Schmidt
Chefermittler Michael Garcia hat einen 350-seitigen Bericht über die Vergabe der beiden Turniere zusammengestellt. Er will den Entscheid der Fifa anfechten, weil es zahlreiche unvollständige und fehlerhafte Darstellungen von Tatsachen und Schlussfolgerungen gebe.

Chefermittler Michael Garcia hat einen 350-seitigen Bericht über die Vergabe der beiden Turniere zusammengestellt. Er will den Entscheid der Fifa anfechten, weil es zahlreiche unvollständige und fehlerhafte Darstellungen von Tatsachen und Schlussfolgerungen gebe.

Keystone/Walter Bieri

Andrew Jennings ist investigativer Journalist. Der 71-Jährige hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Korruption innerhalb des Weltfussballverbandes Fifa zu verfolgen. Der Schotte darf laut eigener Aussage seit 2003 an keiner Veranstaltung der Fifa mehr teilnehmen.

Andrew Jennings, warum sind Sie von der Fifa von allen Veranstaltungen ausgeschlossen worden?

Andrew Jennings: Weil ich ein investigativer Journalist bin. Ich sammle Dokumente und schreibe nicht einfach, was ich höre. Sepp Blatter hat Angst, dass ich andere Journalisten damit anstecke. Er will nicht, dass ich Fragen stelle. Das hat mich aber nicht davon abgehalten, zwei Bücher zu schreiben und fünf TV-Sendungen zu machen.

Was sagen Sie zum Report von letzter Woche, in dem es heisst, dass die Fifa alles richtig gemacht hat?

Was für eine Überraschung! Blatter hat das erhalten, was er wollte. Eckert (Hans-Joachim Eckert, deutscher Jurist und Vorsitzender der Fifa-Ethikkammer, Anm. d. Red.) ist ehrlich, er hat nur seinen Job gemacht, er hat den Report einfach reduziert.

Wer hat dann etwas Falsches gemacht?

Michael Garcia (früherer Staatsanwalt im US-Staat New York, der die Untersuchungen leitete, Anm. d. Red.) hat keine Untersuchungen gemacht, geschweige denn ist er ein Top-Ermittler. Er ist schuld. Er hat in seinem Leben ja nie etwas erreicht. Eckert ist einfach langweilig, nicht unehrlich, Garcia aber ist korrupt.

Wo sehen Sie ein Problem mit der Vergabe der WM in Katar?

Da gibt es zwei Aspekte. Zum einen die Korruption, wie es zur Vergabe nach Katar gekommen ist. Und zum anderen, wer will schon nach Katar an die WM gehen? Niemand! Weder die Fans, noch die Spieler noch die Liga wollen das. Das ist nicht anti-muslimisch gemeint. Denn im Sommer kann man nicht dahin, weil es viel zu heiss ist. Und im Winter zwei Monate lang den Spielbetrieb in England einstellen? F*** off, dann gehen wir einfach nicht.

Wie muss man das verstehen?

Sie kennen doch die grossen Klubs wie Chelsea und Manchester United. Die wollen doch den Spielbetrieb nicht einfach für zwei Monate einstellen. Da kommt eine lange Zeit gar kein Geld rein. Das ist finanziell schrecklich für die gesamte Liga.

Und wie geht es nun weiter?

Blatter hat ein grosses Problem, wenn es auf die Neuwahlen zugeht. Er hat dafür Länder gekauft, von denen ich noch nie den Namen gehört habe. Aber Europa ist da, wo das Geld liegt. Diesen Ländern zeigt Blatter einfach den Mittelfinger.

Wie stufen Sie Blatters Strafanzeige «gegen mögliches Fehlverhalten von Einzelpersonen» in diesem Zusammenhang ein?

Das ist der verzweifelte Versuch einer Ablenkung vonseiten Blatters. Er will sich damit die Presse vom Leib und den Report länger unter Verschluss halten. Das gibt ihm Zeit herauszufinden – sofern das überhaupt möglich ist –, wie er sich aus diesem gottserbärmlichen Schlamassel retten kann. Denn sein Überleben (als Fifa-Präsident, Anm. d. Red.) ist dadurch bedroht.

Was sollte er denn tun?

Das Intelligenteste wäre – und es ist eigentlich die einzige Möglichkeit –, wenn Blatter nicht noch einmal zu den Wahlen antreten würde. Dann wäre uns allen geholfen.

Treffen zwischen Garcia und Eckert

Der deutsche Richter Eckert hatte angekündigt, den Kontakt zu Chefermittler Garcia aufzunehmen. Der Amerikaner hatte Einspruch bei der Fifa-Berufungskommission gegen Eckerts WM-Urteil angekündigt. Dieser hatte die WM-Gastgeber 2018 und 2022 vom Vorwurf der Korruption freigesprochen und damit weltweit Empörung ausgelöst. (si)

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