Armeechef macht Werbung: Blattmann macht Gripen-Werbung per Brief
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Armeechef macht WerbungBlattmann macht Gripen-Werbung per Brief

So hat sich der Armeechef noch nie zu einer bevorstehenden Abstimmung geäussert: Anfang Woche haben sämtliche Schweizer Offiziere einen Brief erhalten, in dem er den Gripen bewirbt.

von
kko
Armeechef André Blattmann

Armeechef André Blattmann

Die Schweiz steht dem Gripen skeptisch gegenüber. Eine gestern veröffentlichte repräsentative SRG-Trendumfrage* zeigt, dass derzeit 51 Prozent Nein zum 3-Milliarden-Geschäft sagen. Deshalb rühren Gegner und Befürworter rund eine Woche vor der Abstimmung noch einmal kräftig die Werbetrommel, um ihre Anhänger zu mobilisieren.

Aktiv für den Gripen kämpft auch Armeechef André Blattmann. Anfang Woche haben die fast 18'000 Offiziere der Schweizer Armee Post von ihm erhalten. In einem anderthalb Seiten langen Brief erklärt Blattmann seinen Leutnants, Majoren und Obersten, dass der Gripen die einzig richtige Wahl und auch finanziell die richtige Lösung sei, schreibt SRF.

Der Gripen liegt ihm offenbar mehr am Herzen als andere Militärthemen zuvor. Denn so direkt hat er sich vor einer Abstimmung noch nie an seine Leute gewandt.

«Brief ist sicher grenzwertig»

Der grünliberale Nationalrat Roland Fischer, einst selbst Offizier, Hauptmann der Fliegerabwehr, hat für Blattmanns Aktion wenig übrig: «Der Brief ist sicher grenzwertig, weil es unüblich ist, dass der Chef der Armee einen Brief an seine Offiziere schreibt und sie mehr oder weniger für eine Schlussoffensive im Abstimmungskampf mobilisiert», sagt er gegenüber SRF.

Hintergrund sei wohl das erwartete, knappe Abstimmungsresultat. Da sei es wahrscheinlich Ausdruck von einer gewissen Unsicherheit der Armeeführung «und wahrscheinlich ein bisschen Nervosität», sagt Fischer.

FDP-Chef sieht kein Problem

Das sieht FDP-Präsident Philipp Müller anders. «Ich glaube nicht, dass unser Armeechef nervös ist. Selbstverständlich engagiert er sich», reagiert er darauf gegenüber SRF. Das sei «wirklich unproblematisch». Die Armeeangehörigen würden von ihrem Chef lediglich mit Argumenten bedient, letztendlich würden sie aber selbst entscheiden, wie sie abstimmen. Bei einem solchen Kopf-an-Kopf-Rennen brauche es Engagement von allen.

Er selbst und mit ihm die Präsidenten von SVP, CVP und BDP werben am Donnerstag noch einmal auf dem Bundesplatz für den schwedischen Kampfjet, um ihre Anhänger am 18. Mai an die Urne zu holen. Auch die Gripen-Gegner starten eine letzte Aktion und gehen dafür auf die Strasse.

* Die zweite repräsentative SRG-Trendumfrage wurde zwischen dem 28. April und dem 3. Mai bei 1413 stimmberechtigten Schweizern durchgeführt.

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