Gefahrenzone vergrössert - Hund stirbt wegen Blaualgen – Gemeinde sperrt ganzes Ufer ab
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Gefahrenzone vergrössert Hund stirbt wegen Blaualgen – Gemeinde sperrt ganzes Ufer ab

Am Wochenende kam es erneut zu einem tragischen Erliegen eines Hundes am Obersee bei Schmerikon SG. Bereits Ende Juli hat die Gemeinde Warnungen zu Blaualgen ausgesprochen; nun hat sich die Situation erneut verschlechtert.

von
Shila Ochsner
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In diesem Schwemmschlamm, auch «Krötenhaut» genannt, lässt sich eine hohe Dichte der Blaualgenart «Tychonema» nachweisen. 

In diesem Schwemmschlamm, auch «Krötenhaut» genannt, lässt sich eine hohe Dichte der Blaualgenart «Tychonema» nachweisen.

Gemeinde Schmerikon 
Tychonema enthalten ein Nervengift, welches für Hunde lebensbedrohlich sein kann. 

Tychonema enthalten ein Nervengift, welches für Hunde lebensbedrohlich sein kann.

Gemeinde Schmerikon 
Die Gefahrenzonen weiten sich weiter aus. Ab Freitag werden neue Warntafeln entlang des ganzen Ufers vom See in Schmerikon SG aufgestellt.

Die Gefahrenzonen weiten sich weiter aus. Ab Freitag werden neue Warntafeln entlang des ganzen Ufers vom See in Schmerikon SG aufgestellt.

Gemeinde Schmerikon 

Darum gehts

  • Am Wochenende ist es in Schmerikon SG erneut zu einem Todesfall eines Hundes durch Blaualgen im See gekommen.

  • Die Gemeinde sperrte daraufhin das ganze Ufer um Schmerikon SG ab und warnt Hundehalter vor der Gefahr.

  • Das Amt für Wasser und Energie des Kantons St. Gallen nimmt regelmässig Proben und beobachtet die Situation.

Die Gefahr der Blaualgen am Obersee dehnt sich weiter aus, wie sich am Wochenende gezeigt hat. Bislang gehörten nur das Aabach-Delta und die Seeanlage beim Bahnhof Schmerikon SG zur Gefahrenzone, wie 20 Minuten berichtete. Doch nun ist am Wochenende auch ein Hund, welcher am Strandweg unterwegs gewesen ist, daran gestorben. Die Gemeinde Schmerikon hat die Gefahrenzone auf das ganze Ufer ausgeweitet.

Situation bleibt angespannt

Laut Félix Brunschwiler, Gemeindepräsident von Schmerikon SG, seien die Absperrbänder, welche rund um das Seebecken gespannt wurden, kein Verbot. Man will auf allen Gehwegen darauf aufmerksam machen und Hundehalterinnen und Hundehalter sowie Badegäste vor den Gefahren warnen. Am Freitag werden entlang des Strandwegs weitere Plakate aufgestellt. «Die Situation wird voraussichtlich nicht deeskalieren», sagt Brunschwiler nach dem Vorfall am Wochenende. Gemäss dem Verein Tierfreunde Linth sind seit Ende Juli bereits neun Hunde am Nervengift der Blaualgen gestorben.

Auch für Menschen sei die Situation nicht ungefährlich. «Kleinkindern rate ich vom Baden ab; Erwachsene sind weniger gefährdet. Sollten Erwachsene trotz der Algensituation im See baden, gilt es folgende Schutzvorkehrungen zu beachten: Wasser nicht schlucken, nicht tauchen und sich nach dem Bad gut abduschen», sagt Pius Kölbener, Kantonschemiker des Kantons St. Gallen. In einer Mitteilung rät die Gemeinde zudem, unklares Wasser zu meiden, da nicht bestimmt werden kann, wo die Blaualgen am stärksten vertreten sind.

Kein Gegengift vorhanden

Vera Leib, Abteilungsleiterin für Gewässerqualität des St. Galler Amts für Wasser und Energie, geht dem Tychonema auf die Spur: «Von dieser Blaualgenart Tychonema ist noch wenig beschrieben und wir wissen noch nicht, wieso sie in diesem Jahr am Zürich-Obersee so massenhaft auftritt.» Es wird davon ausgegangen, dass die Blaualgen erst wieder verschwinden werden, wenn das Wetter kälter und stürmischer wird. «Tychonema breitet sich bevorzugt auf Wasseroberflächen, Wasserpflanzen oder auf Schwemmschlamm, sogenannten ‹Krötenhäuten›, aus. Auch das warme Herbstwetter begünstigt diese Ausbreitung», sagt Leib.

Leider gebe es kein Gegengift. Weiter könne man die gefährlichen Bakterien auch nicht einfach aus dem Wasser fischen. «Man könnte mit Abtragen des Schwemmschlammes die Konzentration von Tychonema im Wasser ein bisschen verringern, aber das Bakterium bleibt dennoch im Wasser», sagt Leib.

Blaualgen – gut zu wissen:

Blaualgen brauchen ruhiges und warmes Wasser, genügend Nährstoffe und Sonnenstrahlen, um wachsen zu können, schreiben Awel, die Abteilung Gewässerschutz und das kantonale Labor Zürich für Badewasserqualität in einem Merkblatt. Bei wechselhaftem Wetter und anschliessender Schönwetterperiode kann es innert weniger Tage zu einem starken Wachstum kommen. Gefährlich für Mensch und Tier kann es sein, wenn grössere Mengen Wasser mit einem hohen Gehalt an Cyanobakterien verschluckt werden. Eine potenzielle Gefahr ist bei einer klassischen Algenblüte meist gut erkennbar, weil das Wasser eine auffällige Verfärbung aufweist. Die Blaualge Tychonema lässt sich beim genaueren Hinsehen durch den roten Aufwuchs erkennen.
Folgende Tipps solltest du beachten:

  • Wenn man aufgrund der Algendichte im knietiefen Wasser die eigenen Füsse nicht mehr klar erkennen kann, solltest du nicht baden.

  • Auffällig gefärbte Wasserflächen mit Schlieren oder Flocken meiden.

  • Personen mit empfindlicher Haut sollen das Baden im See auf Bereiche mit klarem Wasser beschränken.

  • Verschlucken von Wasser vermeiden.

  • Nach dem Baden gut duschen und gründlich abtrocknen.

  • Hunde und Kleinkinder sollten das Baden und Spielen auf klares, farblich unauffälliges Wasser beschränken.

  • Hunde sollten nur klares Wasser trinken; bei Kontakt mit algenverseuchtem Wasser muss das Fell gut ausgewaschen werden.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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