10.07.2020 15:22

Gals BE

Blaue Schneckenkörner gefressen – so fest litten die Hunde Mokka und Mara

Eigentlich hätte das herumliegende Gift im bernischen Gals Schnecken beseitigen sollen. Doch wurden auch mehrere Hunde Opfer der blauen Schneckenkörner.

Der Ausflug am vergangenen Samstag war beinahe der letzte für die beiden vierjährigen Hunde Mara und Mokka. Nur dank der schnellen Reaktion ihrer Besitzerin und der professionellen Betreuung durch Veterinäre konnten das Bullterrierweibchen und das Weimarer Brackweibchen noch rechtzeitig gerettet werden.

Doch was hat ihnen derart übel mitgespielt? Zuvor hatte sich Charlotte, die Besitzerin, einen Platz in Gals BE in der Nähe des Zihlkanals ausgesucht, um sich mit ihren Hunden auszutoben. Der Ort ist belebt, viele Spaziergänger spazieren hier täglich vorbei, auch ist der Uferpfad eine beliebte Gassi-Route.

Doch am vergangenen Samstag entdeckte Hundebesitzerin Charlotte neben dem dortigen Gehweg plötzlich etwas Ungewöhnliches: «Ein Haufen blauer Körnchen war weniger als zwei Meter vom Weg entfernt liegen gelassen worden», erinnert sie sich. Es handelte sich dabei um giftige Schneckenkörner, die ihre Hunde leider bereits entdeckt hatten.

Denn dieses Ungeziefervernichtungsmittel ist legal, doch das darin enthaltene Metaldehyd umstritten. Zwar lässt es die unliebsamen Schnecken rasch verenden – doch auch auf andere Tiere hat das Schneckengift seine Wirkung. So eben auch auf die beiden Hundedamen, die den blauen Körnern in Gals ebenfalls nicht widerstehen konnten.

Leidende Hunde in Notfallaufnahme

Mara und Mokka wurden schliesslich in bedrohlichem Zustand – mit Zittern und Sehkraftverlust – in die tierärztliche Notaufnahme eingeliefert. Auch ein dritter Hund habe wegen dieser Schneckenkörner in der Berner Tierklinik behandelt werden müssen, teilte die Berner Polizei später auf Anfrage mit.

In einem Video aus der Tierklinik ist zu sehen, wie fest die beiden Hunde zu leiden hatten. Doch sie hatten Glück; die Vierbeiner konnten rechtzeitig entgiftet werden. Während diese Tiere ohne jegliche Nachwirkungen entkamen, hatten andere bereits nicht so viel Glück: «Je nach eingenommener Dosis kann das Tier innerhalb von 24 Stunden einen Kreislaufschock erleiden und schliesslich daran sterben», erklärt Marie Müller, eine auf Kleintiermedizin spezialisierte Tierärztin. «Glücklicherweise sind diese Fälle selten. Ängste vor einer Vergiftung sind in der Regel unbegründet», sagt die Fachfrau.

Organische Alternative

Tox Info Suisse, eine Organisation für Information rund um Vergiftungen, hat in der Vergangenheit jedoch bereits «schwere und tödliche Metaldehydvergiftungen» bei Hunden festgestellt. Das liege daran, dass Hunde diese Körner ebenfalls attraktiv fänden und sie dann auch in «grossen Mengen» fressen würden.

Doch nicht alle Schneckenkörner haben übrigens dieselbe Auswirkung: Eine Alternative gibt es mit Eisenphosphat, das etwas teurer und weniger regenresistent, jedoch organisch ist. Das Problem ist, dass diese beiden Produkte – einmal ausgestreut – nur schwer zu unterscheiden sind. «Die beste Form der Vorbeugung ist also, den Hund in der Nähe der Felder an der Leine zu halten und darauf zu achten, was er ableckt», meint Tierärztin Müller abschliessend.

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