Blauer Rot-Kreuz-Fahrer landete in Betonmauer
Aktualisiert

Blauer Rot-Kreuz-Fahrer landete in Betonmauer

Ausgerechnet ein Chauffeur des Roten Kreuzes ist in Urdorf mit mindestens 1,51 Promillen Alkohol im Blut in eine Betonmauer geprallt. Wobei eine Patientin an der Achsel erheblich verletzt wurde.

Waren es starke Medikamente? Oder einfach wieder ein Alkoholrausch? Fest steht, dass der heute 73-jährige Angeklagte vor Gericht alles andere als nüchtern vor die Schranken trat. Er konnte den richterlichen Fragen kaum folgen, liess wiederholt Blätter auf den Boden fallen und kippte zum Schluss beinahe von der Anklagebank. Der Gerichtsvorsitzende Peter Budliger tat das einzig Richtige: Er brach die Verhandlung sofort ab und schickte den benebelten Senior nach Hause.

Im Vollrausch für das Rote Kreuz unterwegs

Der Strafprozess drehte sich um einen bedenklichen Vorfall vom Spätsommer 2006. Damals arbeitete der Angeklagte noch regelmässig als Chauffeur des Roten Kreuzes und war für Patiententransporte im Limmattal zuständig. Am Nachmittag des 13. September sollte er zwei Personen vom Dialysezentrum Urdorf nach Hause fahren. Doch so weit kam es nicht mehr. An der Feldstrasse streifte er eine Verkehrsinsel, geriet auf das Trottoir und krachte heftig in eine Betonmauer hinein. Eine Patientin wurde an der Achsel erheblich verletzt.

Die von der Polizei angeordnete Blutkontrolle liess an der Unfallursache keine Zweifel offen. Der Berufschauffeur hatte den Krankentransport mit der beachtlichen Menge von mindestens 1,51 Promillen Alkohol intus, sprich im Vollrausch durchgeführt.

Nur ein Glas Wein getrunken

Der heute nicht mehr als Chauffeur tätige Angeklagte führte vor Gericht aus, dass er am Tattag vor der Fahrt bloss ein Glas Wein getrunken habe. Allerdings habe er auch eine Schlaftablette dazu geschluckt, gab er zu Protokoll. Bevor er kaum mehr ansprechbar war. In seinem nun schriftlich eröffneten Urteil hat das Gericht den Angeschuldigten in Abwesenheit wegen qualifizierten Fahrens in fahrunfähigem Zustand zu einer unbedingten Geldstrafe von 135 Tagessätzen zu 40 Franken verurteilt. Was eine Sanktion von insgesamt 5400 Franken ohne Bewährungschance bedeutet. Hinzu kommen die Gerichtskosten von über 2000 Franken. Eine schriftliche Urteilsbegründung liegt nicht vor. Weshalb offen blieb, ob eine einschlägige Vorstrafe zur unbedingten Sanktion geführt hatte. Da die lädierte Patientin auf einen Strafantrag verzichtet hatte, kam der Angeschuldigte um eine zusätzliche Anklage wegen Körperverletzung herum.

Attila Szenogrady, 20minuten.ch

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