Streit eskaliert  - Blausee-Besitzer reichen Strafanzeige gegen Ermittlungsbeamten ein
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Streit eskaliert Blausee-Besitzer reichen Strafanzeige gegen Ermittlungsbeamten ein

Die Fronten in der Blausee-Affäre sind verhärtet. Nun hat die Blausee AG sogar einen Angestellten der Bau- und Verkehrsdirektion angezeigt.

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Die Blausee AG wehrt sich gegen die Einschätzung des Kantons Bern, die Wasserqualität des Sees sei ausgezeichnet – und verklagt nun sogar einen Beamten.

Die Blausee AG wehrt sich gegen die Einschätzung des Kantons Bern, die Wasserqualität des Sees sei ausgezeichnet – und verklagt nun sogar einen Beamten.

20min/News-Scout
«Keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung des Grundwassers mit Schadstoffen»: Der Untersuchungsbericht des Kantons Bern zog zuvor ein verblüffendes Fazit. 

«Keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung des Grundwassers mit Schadstoffen»: Der Untersuchungsbericht des Kantons Bern zog zuvor ein verblüffendes Fazit.

Adrian Michael / Wikimedia
Im Juni und September 2020 wurden Proben vom Grundwasser der Fischzucht und von der nahegelegenen Waldquelle auf über 700 Substanzen analysiert.

Im Juni und September 2020 wurden Proben vom Grundwasser der Fischzucht und von der nahegelegenen Waldquelle auf über 700 Substanzen analysiert.

Adrian Michael / Wikimedia

Darum gehts

  • Die Blausee AG hat bei der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland Strafanzeige gegen einen Mitarbeiter von Bau- und Verkehrsdirektor Christoph Neuhaus eingereicht

  • Sie wirft dem leitenden Beamten Begünstigung und Urkundenfälschung im Amt vor.

  • Vergangene Woche hatte ein Untersuchungsbericht des Kantons die Blausee-Besitzer in Rage versetzt.

  • Die kantonale Analyse hatte ergeben, dass sich praktisch keine Substanzen im Grund- und Quellwasser befinden.

Die Blausee AG hat bei der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland Strafanzeige gegen einen Mitarbeiter von Bau- und Verkehrsdirektor Christoph Neuhaus eingereicht, wie der «Sonntagsblick» berichtet. Sie wirft dem leitenden Beamten, der an der Aufarbeitung der Sache beteiligt ist und für den die Unschuldsvermutung gilt, Begünstigung und Urkundenfälschung im Amt vor. Sogar von einer Vernichtung von Beweismitteln sei die Rede.

Auf Anfrage von 20 Minuten wollte Regierungsrat Neuhaus die Strafanzeige nicht kommentieren. Er habe selbst über den Latrinenweg davon erfahren und wisse derzeit nicht, gegen wen sie sich richte. Genaueres werde er am Montag abklären.

Ein Untersuchungsbericht des Kantons Bern hatte vergangene Woche neuen Zündstoff in die Blausee-Affäre gebracht. Er komme zum Schluss, dass es «keine Hinweise auf eine Beeinträchtigung des Grundwassers mit Schadstoffen» gibt. Grund- und Quellwasserproben waren auf über 700 Substanzen hin analysiert worden – bei kaum einer sei der Grenzwert überschritten worden.

Blausee-Besitzer sprechen Untersuchung Relevanz ab

Die Analyse brachte die Blausee-Besitzer rund um Verwaltungsratspräsident Stefan Linder in Rage: In einer Mitteilung sprachen sie von «Schutzbehauptungen» seitens des Kantons. Die Proben seien am 30. Juni 2020 entnommen worden, sprich, nachdem die illegale Aktivität bereits gestoppt worden und das Grundwasser bereits vor Schadstoffeinträgen geschützt worden war. Folglich hätten sie keine Relevanz hinsichtlich des Zustandes vor Juni 2020.

Nach wie vor sind Linder und Co. überzeugt, dass das jahrelange Fischsterben in ihrer Zuchtanlage eine Folge der mutmasslich illegal entsorgten Giftabfälle im nahegelegenen Vigier-Steinbruch ist. Dies, weil ab Juli 2020 (nach der Änderung des Bauablaufs durch den Kanton) deutlich weniger Fische starben und in den toten Fischen dieselben Schadstoffe gefunden wurden wie im Gleisaushub.

Die Justiz wurde in der Blausee-Affäre schon des Öfteren bemüht: So hatte die Blausee AG bereits Anzeige gegen unbekannt eingereicht und damit das Verfahren im Umweltskandal angestossen. Die Firma Vigier, die den Steinbruch betreibt, hatte später Stefan Linder verzeigt, dieser wiederum einen Journalisten des «Sonntagsblicks».

Umweltskandal Blausee

Im September 2020 wurde bekannt, dass die Betreiber des Insta-Hotspots im Berner Oberland Strafanzeige eingereicht hatten. Dies, nachdem es mehrmals zu einem grösseren Fischsterben in der Forellenzucht gekommen war. Die Blausee AG vermutet einen Zusammenhang mit Altschotter aus dem Lötschberg-Scheiteltunnel, der bis Mitte Juni 2020 in einer Kiesgrube beim Blausee abgelagert wurde. Erst später wurde bekannt, dass auch andere Firmen illegal giftige Güter im Steinbruch entsorgt hatten. Der Steinbruch ist keine Deponie und somit nicht gesichert gegen Umweltgifte. Zudem liegt die Grube in einer Gewässerschutzzone und einem sensiblen Grundwassergebiet. Im April wurde zudem bekannt, dass die Besitzer der Blausee AG sich auf Anweisung der Berner Staatsanwaltschaft nicht mehr zum Giftmüllskandal in Mitholz äussern dürfen. Dies wegen eines entsprechenden Gesuchs des eingeklagten Baukonzerns Vigier. Der Grosse Rat Bern hat in der Zwischenzeit eine Geschäftsprüfungskommission ins Leben gerufen, welche die Rolle der Behörden im Fall untersuchen soll.

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(sul)

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