Blei im Cannabis - auch in der Schweiz ist Vorsicht geboten
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Blei im Cannabis - auch in der Schweiz ist Vorsicht geboten

Aufregung in Leipzig: Weil bleiverseuchtes Cannabis und Marihuana in Umlauf geraten ist, mussten bereits 19 Personen mit Bleivergiftungen behandelt werden. 20minuten.ch hat nachgefragt, ob auch in der Schweiz verunreinigtes Cannabis im Umlauf ist.

Blasse Hautfarbe, Magen-Darm-Beschwerden, schwere Bauchkrämpfe, langsamer Puls, hoher Blutdruck – das waren die Symptome, mit denen 19 Cannabiskonsumenten in den vergangenen Wochen in Leipzig zu kämpfen hatten. Stadt und Polizeidirektion Leipzig haben daraufhin am 8. November einen Warnhinweis zu kontaminiertem Cannabis und Marihuana herausgegeben, wie ".ch" berichtet.

«Wir wurden via Mail auf die Bleivergiftungen im Zusammenhang mit Marihuana-Konsum hingewiesen», erklärt Alex Bücheli, Leiter von Streetwork Zürich, auf Anfrage von 20minuten.ch. «Bisher gab es aber keine Anzeichen dafür, dass verunreinigtes Cannabis in der Schweiz im Umlauf ist.» Das habe vor allem damit zu tun, dass viele in der Schweiz selber Hanf anpflanzen und daher nicht auf der Gasse Marihuana kaufen. «Trotzdem ist es nicht auszuschliessen, dass das bleiverseuchte Gras auch in der Schweiz auftaucht.»

Mehr Gewicht - weniger Flash

Wird dem Cannabis Blei zugefügt, gehe es nicht um eine Verstärkung der halluzinogenen Wirkung, sondern um die Gewichtszunahme der Ware. «Das Gras wird schwerer und die Konsumenten müssen mehr bezahlen», so Bücheli. Das komme immer wieder vor, «meist werden winzigkleine Glasperlen beigemischt oder das Gras wird mit Haarspray besprüht, damit es schwerer wird.» Bisher hat Bücheli aber noch nie von bleiverseuchtem Cannabis gehört.

Beim Kauf der Ware könne man nicht erkennen, ob Fremdstoffe im Hanf enthalten sind, weiss der Fachmann. «Einzig bei der Zubereitung der Mischung für einen Joint kann man auf unübliche Fremdstoffe achten. Wenn man das Gras zerreibt und dabei beispielsweise glitzernde Partikel findet, sollte auf den Konsum verzichtet werden.»

Tina Fassbind, 20minuten.ch

Wird Blei über die Atemwege aufgenommen, wird es im Prinzip in allen Geweben des Körpers abgelagert. Der Knochen ist Hauptspeicher für Blei. Von hier wird das Blei noch über Jahrzehnte ins Blut und in die Weichteile freigesetzt. Da Blei nicht gut wasserlöslich ist, wird es ohne spezielle Medikamente sehr schlecht wieder ausgeschieden. Es wird zwischen akuten und chronischen Bleivergiftungen unterschieden, die durch folgende Krankheitsbilder gekennzeichnet sind. Akute Bleiintoxikation: Blasse Hautfarbe, Magen-Darm-Beschwerden, schwere Bauchkrämpfe («Bleikolik»), langsamer Puls, hoher Blutdruck. Chronische Bleivergiftung (nach steigender Blutbleikonzentration): Blutarmut (Bleianämie), Hirnschädigung («Bleidemenz»), Nervenschädigung, Zittern/Tremor, Muskelschwäche, Bleisaum am Zahnfleischrand, Nierenschädigung und bei sehr hohen Konzentrationen die gefürchtete Bleienzephalopathie mit Koma. In Extremfällen treten Todesfälle auf. Bei unklaren Beschwerden, insbesondere akute Bauchschmerzen, sollten Konsumenten ihren Arzt oder den Notarzt in jedem Fall informieren, dass sie Marihuana oder Cannabis konsumiert haben.

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