Aktualisiert 21.11.2017 14:29

Verschollenes U-Boot«Bleib stark, Papa. Deine Familie wartet auf dich»

Angehörige der Besatzung des verschollenen U-Boots hoffen auf ein Lebenszeichen ihrer Liebsten.

von
woz
1 / 12
Die Suche nach der vermissten ARA San Juan geht weiter: Ein US-Soldat beobachtet das Meer. (27. November 2017)

Die Suche nach der vermissten ARA San Juan geht weiter: Ein US-Soldat beobachtet das Meer. (27. November 2017)

Keystone/AP/Argentina Navy
Die Atombehörde CTBTO mit Sitz in Wien teilte am 23. November 2017 der argentinischen Marine mit, dass sie am Tag des Verschwindens der ARA San Juan eine Explosion vernommen haben.

Die Atombehörde CTBTO mit Sitz in Wien teilte am 23. November 2017 der argentinischen Marine mit, dass sie am Tag des Verschwindens der ARA San Juan eine Explosion vernommen haben.

Google Earth/ctbto
Das aufgezeichnete Ereignis als «anormal, einzig, kurz, gewaltig und nicht nuklearen Ursprungs» gewesen, teilte die CTBTO mit. Marine-Sprecher Enrique Balbi erklärte, dass das akustische Signal 3 Stunden und 31 Minuten nach der letzten Funkmeldung mit der U-Boot-Besatzung vernommen wurde.

Das aufgezeichnete Ereignis als «anormal, einzig, kurz, gewaltig und nicht nuklearen Ursprungs» gewesen, teilte die CTBTO mit. Marine-Sprecher Enrique Balbi erklärte, dass das akustische Signal 3 Stunden und 31 Minuten nach der letzten Funkmeldung mit der U-Boot-Besatzung vernommen wurde.

epa/Carlota Ciudad

Auf dem Marinestützpunkt im argentinischen Mar del Plata warten Dutzende Menschen rund um die Uhr auf ein Wunder oder wenigstens ein Funksignal aus der Tiefe des Atlantiks. Am Metallzaun, der das militärische Sperrgebiet von der Aussenwelt trennt, sammeln sich täglich neue handgeschriebene Plakate und Briefe mit herzzerreissenden Nachrichten: darunter auch die an den vermissten «Papa». 44 argentinische U-Boot-Soldaten sind seit vergangenem Mittwoch verschollen. Irgendwo im Südatlantik. Seitdem gab es kein Lebenszeichen mehr von ihnen.

Trotz Rückschlägen bei der Suche nach den Vermissten blieb die Stimmung an dem Stützpunkt rund 400 Kilometer südlich von Buenos Aires bislang vage optimistisch. Trotz der herrschenden Unsicherheit seien die Menschen bisher «recht stabil» geblieben, sagt der Psychotherapeut Enrique Stein. Stein gehört einer psychologischen und medizinischen Betreuungseinheit an, die den Angehörigen bei Bedarf rund um die Uhr hilft.

«Sehr viel Hoffnung»

Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt: Am Sonntag gab es einen kurzen Hoffnungsschimmer, als Rettungsschiffe Klopfgeräusche vernahmen, die zunächst für ein mögliches Lebenszeichen der U-Bootbesatzung gehalten wurden. Dann am Montag der Rückschlag: Marinesprecher Enrique Balbi teilte mit, dass die Geräuschen womöglich von einem Unterwasserlebewesen stammten. Keine Spur von dem U-Boot.

Dennoch bestehe immer noch «sehr viel Hoffnung», sagt Stein. Doch die Angst wachse. «Das beste Beruhigungsmittel sind genaue Informationen», fügt er hinzu. Die Suche nach der «ARA San Juan» läuft bereits seit vergangener Woche Donnerstag auf Hochtouren und wird mittlerweile durch internationale Einsatzkräfte aus sieben Staaten unterstützt, darunter Brasilien, Grossbritannien und die USA.

Der Einsatz wurde jedoch tagelang durch starke Winde und bis zu sieben Meter hohe Wellen in dem Seegebiet erschwert. Die internationalen Rettungskräfte schickten unter anderem Schiffe, unbemannte Mini-U-Boote und Flugzeuge auf die Suche in den tosenden Fluten. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa schickte ein Suchflugzeug.

«Er kennt jeden Winkel der Unterwasserwelt»

Nachdem tagelang über die Ursache des Verschwindens gerätselt wurde, erklärte die Marine nun, dass das Diesel-Elektro-Boot kurz vor seinem Verschwinden einen Maschinenschaden gemeldet habe. Das 65 Meter lange U-Boot lief bereits 1983 vom Stapel der deutschen Werft Thyssen Nordseewerke, die mittlerweile geschlossen wurden. 2007 und 2014 wurde das Unterwasserboot der Klasse TR-1700 vollständig überholt und für weitere 30 Jahre einsatzbereit gemacht. Zuletzt war es auf dem Rückweg von einem Routinefahrt nach Ushuaia ganz im Süden des Landes.

Die meisten der vermissten Besatzungsmitglieder leben in der Nähe von Mar del Plata. Fast hundert ihrer Angehörigen werden seit Donnerstag auf der Marinebasis betreut. Sie setzen auf die Fähigkeiten ihrer Verwandten an Bord. Sein Sohn habe sich bewusst für diesen Beruf entschieden und sei stolz darauf, sagt Jorge Villarreal. «Er macht seine Arbeit mit viel Professionalität. Er kennt jeden Winkel der Unterwasserwelt.»

Papst betet für die Besatzung

Für Zuversicht sorgte auch ein Besuch des argentinischen Präsidenten Mauricio Macri, der am Montag die Marinebasis besuchte, um den Angehörigen seine Unterstützung zu zeigen. Und auch der aus Argentinien stammende Papst Franziskus sagte, er bete für die Sicherheit der Besatzung. Zu ihr gehört auch die erste U-Bootoffizierin Argentiniens und ganz Südamerikas, die 35-jährige Eliana Krawczyk.

Es sind Mütter und Väter, Töchter und Söhne, die in Mar del Plata weiter auf ein Lebenszeichen ihrer Liebsten hoffen. Aber auch Aussenstehende besuchen den Stützpunkt, um an seinen Zäunen Botschaften für die Seeleute zu hinterlassen. «Unsere Herzen haben aufgehört zu schlagen, bis ihr wieder zuhause seid», steht auf einem Banner geschrieben. Es sind wohl auch solche bewegenden und aufrichtigen Nachrichten der Anteilnahme am Schicksal ihrer Liebsten, die die Familien die Hoffnung nicht aufgeben lassen. (woz/afp)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.