Millionen-Verlust: Bleibt die CS jetzt beim Abbau von 6000 Jobs?
Aktualisiert

Millionen-VerlustBleibt die CS jetzt beim Abbau von 6000 Jobs?

Der zweite Quartalsverlust in Folge: Die Grossbank verbucht ein Minus von 302 Millionen Franken. Wie kann Tidjane Thiam das Steuer herumreissen?

von
Isabel Strassheim

Woran hakt es bei der Credit Suisse?

Vor allem das Geschäft mit dem Handel harzt gewaltig bei der Grossbank. Die Division Global Markets, in der der Handel mit Aktien, Obligationen und verbrieften Krediten zusammengefasst ist, fuhr massiv Verluste ein: Im ersten Quartal belastete sie das Ergebnis mit einem Vorsteuerverlust von 635 Millionen Franken. Dagegen erscheint das Minus von 103 Millionen Franken beim Investmentbanking fast verschmerzbar. CS-Chef Tidjane Thiam warnt am Dienstag in der Medienmitteilung, es sei keine Besserung in Sicht: «Ungünstige Marktbedingungen und niedrige Kundenaktivität dürften jedoch auch im zweiten Quartal 2016 und möglicherweise darüber hinaus fortbestehen.»

Was ist Thiams Rezept gegen die Verluste?

Vor allem eines: sparen. Thiam hatte erst im März sein Sparprogramm aufgestockt. Er war vergangenes Jahr bei der Bank angetreten und hatte quasi als Einstand grosse Kosteneinsparungen gefordert. Und er zeigt Ehrgeiz bei deren Umsetzung, wie sich nun zeigt: Im ersten Quartal 2016 realisierte die Bank aufs Gesamtjahr hochgerechnet schon mehr als die Hälfte der für 2016 angestrebten Netto-Kosteneinsparungen von 1,4 Milliarden Franken. Thiam erhält dafür Lob von Andreas Brun, Bankexperte der Zürcher Kantonalbank: «Insgesamt konnte die CS dank der guten Kostenkontrolle den stärkeren Ertragsrückgang mehr als kompensieren», schreibt Brun in einem ersten Kommentar.

Wie läuft der geplante Jobabbau?

Bei den Kündigungen ist die Grossbank so schnell wie exakt bei der Angabe ihrer erreichten Quote: «Per 10. Mai haben wir in Bezug auf unser Ziel, den Personalbestand bis Ende 2016 um 6000 Stellen zu reduzieren, bereits 3500 Stellen abgebaut – dies entspricht 58 Prozent der Zielsetzung», wird CS-Chef Thiam in der Pressemitteilung zitiert. Darin enthalten sind Abgänge und bereits über die Kündigung informierte Mitarbeitende. Der Abbau von 2500 Stellen steht also noch aus. Dabei bleibt es, jedenfalls vorerst. Thiam hatte die Zahl der Streichungen im März erst erhöht: Zunächst hatte er 4000 Angestellte von der Lohnliste nehmen wollen.

Wo werden die Stellen gestrichen?

Vor allem in der hohe Verluste schreibenden Division Global Markets werden Jobs abgebaut, denn die Handelsabteilungen in London, New York, aber auch in der Schweiz werden zurückgefahren. Es seien schon über 1000 Händler entlassen worden, erklärte Thiam nun.

Was kostet Thiam der Abbau?

Die Streichung der Jobs hat einen hohen Preis. Nicht nur für die Angestellten. Die Grossbank belastet dies mit 1 Milliarde Franken im laufenden Jahr. In der Regel sind in diesen Restrukturierungskosten Abgangsentschädigungen enthalten. Aber auch Löhne für Unternehmensberater, die das Sparprogramm ausgearbeitet haben, zählen dazu.

Wieso schreibt die CS einen Quartalsverlust, während die UBS einen Gewinn von 707 Millionen Franken erzielte?

Die Credit Suisse ist im Gegensatz zur heimischen Rivalin noch mit Altlasten beschäftigt: Im März schrieb sie wertlose Papiere, die sie in ihrer Handelsdivision hielt ab. Das ergab ein Minus von 346 Millionen Dollar und sorgte für die Gewinnwarnung. Auch vor einer Woche noch verkaufte sie faule Kredite, auf denen sie sass. Die Problem-Division Global Markets reduzierte so ihre Risiken bei Kreditpapieren gegenüber Ende 2015 fast um 80 Prozent, teilte Thiam nun mit. Ein Blick in die Quartalspräsentation zeigt jedoch, dass es durchaus noch heikle Positionen gibt: Die Division Global Markets stockte ihre Rückstellungen um 70 Millionen Dollar auf. Der Grund dafür: Die Credit Suisse gewährte Kredite an Energieunternehmen, die nun wegen der rekordtiefen Ölpreise wackeln.

Geniesst Thiam trotz der hohen Verluste noch das volle Vertrauen?

Die Vorschusslorbeeren für den neuen CS-Chef waren bei seinem Antritt im vergangenen Jahr enorm. Doch nun verkündet Thiam schon den zweiten Quartalsverlust in Folge. Die Probleme hat er aber grösstenteils von seinem Vorgänger Brady Dougan geerbt: Grund für die Verluste sind Abschreiber von zusammen 1 Milliarde Dollar auf risikoreiche Firmenkredite und US-Kreditverbriefungen, die die Bank zum Teil schon länger aufgebaut hat und die im Moment kein anderer Marktteilnehmer kaufen will. Als Analysten Thiam im März die Vertrauensfrage stellte, antwortete dieser mit einer Selbstskritik, die seine Souveränität unterstreichen sollte: «Es geht nicht, dass ein CEO und ein Finanzchef einer Bank von so etwas überrascht wird». Für Branchenkenner steht nun fest, dass Thiam sich keine weiteren Abschreiber mehr erlauben darf.

Wie sieht es mit den Plänen für das Schweiz-Geschäft der CS aus?

Ähnlich wie die UBS will auch die CS ihr für systemrelevantes Schweizer Geschäft in eine eigene Einheit fassen – dazu ist sie wegen neuer Too-big-to-fail-Regeln verpflichtet: Sie muss bei einer drohenden Zusammenbruch alle für die Aurechterhaltung der Bankversorgung nötigen Geschäfte vom Rest abtrennen können. Dem Börsengang dieser Credit Suisse (Schweiz) AG, der für 2017 geplant ist und frisches Kapital bringen soll, steht nichts im Weg. Dieser Teil erzielte im ersten Quartal einen bereinigten Vorsteuergewinn von 466 Millionen Franken.

Was sagt die Börse?

Nach der Verlustwarnung im März hatten die Anleger Schlimmes erwartet und wurden nun positiv überrascht. Die Aktie der Credit Suisse legte zunächst einen Kurssprung von über fünf Prozent hin. Bei Börsenschluss lagen die Zugewinne bei 4,99 Prozent. Die Aktie hat seit Anfang 2016 rund ein Drittel an Wert verloren.

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