12.02.2020 04:00

Oberbüren SGBlick aufs Handy kostet zwei Menschen das Leben

Bei einem Einsatz wurde im April 2019 ein junger Pannenhelfer angefahren. Er und ein Lieferwagenfahrer starben. Der Verantwortliche steht nun vor Gericht.

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mig

Im April 2019 kam es auf dem Bürerstich zu einem tödlichen Unfall. Nun steht der Verantwortliche vor Gericht. (Video: mig)

P. W.* wollte auf dem Handy das Lied wechseln während der Fahrt auf der Autobahn. Er nahm dazu bei Tempo 110 das Handy vom Beifahrersitz. Sekunden später fuhr der damals 23-Jährige einen Pannenhelfer an. So steht es in der Anklageschrift. Passiert ist der Unfall am 3. April 2019. In der Folge starben zwei Personen. Der 24-jährige Pannenhelfer und der 50-jährige Lieferwagenfahrer, der eine Panne hatte.

Der Pannenhelfer sei durch die Wucht des Aufpralls gegen das andere Opfer geschleudert worden. Ersterer starb noch am selben Tag im Spital. Er hatte laut Anklage unter anderem ein Schädelhirntrauma und Verletzungen im Rippenbereich erlitten. Das zweite Opfer verstarb 20 Tage später nach einem Herzkreislaufstillstand, der ohne Unfall nicht passiert wäre, wie es in der Anklageschrift heisst.

«Quasi im Blindflug»

Für den Unfallfahrer fordert die Staatsanwaltschaft eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Er muss sich am Mittwoch vor dem Kreisgericht Wil verantworten. Der Vorwurf lautet mehrfache fahrlässige Tötung und grobe Verletzung der Verkehrsregeln. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war der Unfall vermeidbar: «Hätte der Beschuldigte nicht während 2-3 Sekunden auf sein Mobiltelefon geschaut, wäre er auf der Fahrspur geblieben und nicht auf den Pannenstreifen abgekommen.» Dort habe er den 24-Jährigen erfasst.

Um das Lied zu wechseln, hätte er beispielsweise auf einen Parkplatz gehen können. Durch die Benutzung des Handys sei der Beschuldigte «bei ca. 110 km/h ungefähr 60-90 Meter quasi im Blindflug» gewesen. Zudem steht in der Anklageschrift: «Der Beschuldigte wusste, dass er jederzeit damit rechnen musste, dass sich Fahrzeuge oder Personen auf dem Pannenstreifen befinden.»

Eltern am Boden zerstört

Bei Freunden und Familienangehörigen des jungen Pannenhelfers war die Trauer nach dem tödlichen Unfall gross. Sein bester Freund sagte damals: «Er war ein sehr guter Junge, mit einem starken Charakter, zu allen immer korrekt und sehr hilfsbereit.» Er kenne ihn, seit er fünf Jahre alt sei. Laut dem Freund besuchten über 100 Leute den 23-Jährigen im Spital, bevor er verstorben ist.

Ein Onkel des Toten sprach im Namen der Familie. Die Eltern des Toten wären dazu nicht in der Lage gewesen. Sie seien am Boden zerstört. Der Onkel meinte: «Nur wer selbst ein Kind verloren hat, versteht ihren Schmerz.» Der Verstorbene habe erst im Sommer vor dem Unfall geheiratet. Er habe das Leben geliebt und den Blick in die Zukunft gerichtet gehabt.

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