Aktualisiert 19.10.2012 13:38

Radiometrische DatierungBlick in die Vergangenheit wird präziser

Sie kommt immer dann zur Anwendung, wenn es gilt, das Alter eines organischen Fundgegenstandes zu bestimmen: die berühmte Radiokarbon-Methode. Jetzt hat sie eine Verfeinerung erfahren.

Die Radiokarbondatierung wird seit ihrer Entwicklung im Jahr 1946 für die Datierung von kohlenstoffhaltigen, insbesondere organischen Materialien wie Knochen angewandt.

Die Radiokarbondatierung wird seit ihrer Entwicklung im Jahr 1946 für die Datierung von kohlenstoffhaltigen, insbesondere organischen Materialien wie Knochen angewandt.

Klimaforscher und Archäologen haben Grund zur Freude: Ein internationales Forscherteam hat die in der Wissenschaft unverzichtbare Radiokarbonmethode zur Altersbestimmung verbessert. Altersschätzungen von organischem Material wie Holz oder Knochen könnten damit um Jahrhunderte genauer werden, schreiben die Forscher am Freitag im US-Fachblatt «Science».

Archäologen könnten etwa den Zeitpunkt des Aussterbens der Neandertaler genauer festlegen oder die Ausbreitung des modernen Menschen in Europa besser verfolgen. Klimaforscher könnten präziser nachvollziehen, wie sich Gletscher während der letzten Eiszeit verändert haben.

Der Fortschritt gelang den britischen, deutschen, japanischen und niederländischen Experten durch die Analyse jahrtausendealter Sedimente im japanischen Suigetsu-See. Jahr für Jahr lagert sich dort organisches Material ab, so dass sich regelmässige Schichten bilden - ähnlich wie Jahresringe von Bäumen. Diese Schichten blieben für tausende von Jahren ungestört und können einem bestimmten Jahr zugeordnet werden.

Die Forscher bestimmten nun den Radiokarbongehalt - eine Variante des Kohlenstoffs namens C-14 - in den Schichten. So erhielten sie einen C-14 Wert für ein bestimmtes Jahr. Die Radiokarbonmethode beruht darauf, dass aus dem Verhältnis von C-14 zu anderen C-Varianten in organischem Material auf dessen Alter geschlossen werden kann.

Die See-Daten reichen etwa 53 000 Jahre zurück und somit über 40 000 Jahre weiter als vergleichbare Werte bisher, heisst es. Damit würden sie vor allem bei der Untersuchung von Objekten helfen, die älter als 12 500 Jahre sind, berichtet das Team um Christopher Bronk Ramsey von der britischen Oxford-Universität. So weit reicht das Baumringarchiv zurück, eine andere Art der Altersbestimmung. Für die Zeit davor gebe es nur ungenaue Daten.

Völlig neu berechnen müsse man bisherige Altersangaben nun aber nicht. «In den allermeisten Fällen sind die Radiokarbongehalte, die aus marinen Sedimenten oder anderen Quellen abgeleitet worden sind, nicht sehr falsch», sagte Ramsey. Korrekturen vorhandener Daten würden sich im Rahmen von einigen Hundert Jahren bewegen. (sda)

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