Aktualisiert 08.02.2011 16:00

TunesienBlinder Passagier im FCZ-Reisecar

Am Samstag ist der Car des FCZ aus Tunesien zurückgekehrt – samt einem unerwarteten Insassen. «Unglaublich, dass ihm nichts passiert ist», sagt der FCZ-Sprecher.

von
mlu
Fast wie ein trojanisches Pferd: Der Bus des FCZ wurde als Tor in die Schweiz missbraucht.

Fast wie ein trojanisches Pferd: Der Bus des FCZ wurde als Tor in die Schweiz missbraucht.

Das Reinigungspersonal staunte nicht schlecht, als es am frühen Samstagmorgen den soeben zurückgekehrten Reisecar des FC Zürich putzen wollte: Plötzlich kroch ein Mann aus dem Radkasten und schlich sich davon. Die Putzequipe informierte die Stadtpolizei, die den Ausgebüxten kurze Zeit später festnehmen konnte.

Der 21-jährige Tunesier gab gemäss einer Mitteilung der Stapo Zürich an, er habe sich in Rom in einen Hohlraum hinter dem Hinterrad des Reisecars gezwängt, um so auf direktem Weg nach Zürich zu gelangen. Was aber gar nicht sein kann, weil die Reiseroute gar nicht über Rom führte. Der Car fuhr von Sousse nach Tunis, mit der Fähre direkt nach Genua und weiter auf dem Landweg ohne Halt via Mailand bis nach Zürich.

«Ein halbes Wunder»

Der Tunesier überstand die rund 30-stündige Reise auf einem Blech in dem Hohlraum, indem er sich an mehreren Kabeln festhielt. Er blieb unverletzt.

«Das ist ein halbes Wunder», sagt FCZ-Sprecher Giovanni Marti. «Es war Eiskalt in den Radkappen, ausserden strömen dort Gase durch, und wenn der Bus über ein Loch fuhr, musste sich der Mann gut festhalten.» Für den FCZ stehe im Vordergrund, dass dem blinden Passagier nichts passiert sei.

Nach der polizeilichen Einvernahme wurde der junge Tunesier wegen illegaler Einreise der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat zugeführt. «So etwas habe ich noch nie gehört», sagt Stapo-Sprecher Marco Cortesi. Da man sich alleine auf die Informationen des Tunesiers stützen könne, habe man den Widerspruch mit der Reiseroute nicht auflösen können.

Keine Ausschaffung

Wegen der angespannten Situation in seinem Heimatland muss der 21-jährige Tunesier vorläufig nicht mit einer Zwangsausschaffung rechnen, wie das Bundesamt für Migration gegenüber 20 Minuten Online bestätigt.

Der blinde Passagier war alleine im Bus unterwegs. Die FCZ-Fussballer, welche im tunesischen Sousse im Trainingslager weilten, traten die Rückreise wegen der Proteste im Land bereits am 16. Januar an.

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