25.04.2019 02:49

Henry WanyoikeBlinder will Weltrekord am Zürich Marathon aufstellen

Nach einem Schlaganfall verlor Henry Wanyoike sein Augenlicht. Als schnellster blinder Läufer nimmt er am Wochenende am Zürich Marathon teil.

von
mon
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Henry Wanyoike erlitt mit 21 Jahren einen Schlaganfall. Seither ist der Kenianer blind.

Henry Wanyoike erlitt mit 21 Jahren einen Schlaganfall. Seither ist der Kenianer blind.

Licht für die Welt
Von dem Schicksalsschlag liess er sich aber nicht unterkriegen. Im Gegenteil: Mittlerweile gilt der heute 44-Jährige sogar als der schnellste blinde Läufer der Welt.

Von dem Schicksalsschlag liess er sich aber nicht unterkriegen. Im Gegenteil: Mittlerweile gilt der heute 44-Jährige sogar als der schnellste blinde Läufer der Welt.

Francois lo Presti
Zudem wurde er dreifacher Goldmedaillen-Gewinner an den Paralympics in Sydney im Jahr 2000 und in Athen 2004.

Zudem wurde er dreifacher Goldmedaillen-Gewinner an den Paralympics in Sydney im Jahr 2000 und in Athen 2004.

epa/Louisa Gouliamaki

Der Kenianer Henry Wanyoike erblindete mit 21 Jahren nach einem Schlaganfall. Von diesem Schicksalsschlag liess er sich nicht unterkriegen. Im Gegenteil: Mittlerweile gilt der 44-Jährige sogar als der schnellste blinde Läufer der Welt. Mit 2 Stunden 31 Minuten und 31 Sekunden hält er den Weltrekord der Vollblinden. Zudem wurde er dreifacher Goldmedaillen-Gewinner an den Paralympics in Sydney im Jahr 2000 und in Athen 2004.

Ein Sieg ist fast nicht möglich

Nun traut sich der 44-Jährige an den 42 Kilometer langen Zürich Marathon von kommendem Sonntag. Das Besondere: Zum ersten Mal darf in diesem Jahr ein behinderter Sportler aus der ersten Startreihe mit der Startnummer eins laufen.

Laut Wanyoike wäre es sein Wunsch, dass er den Marathon in 2:30 Stunden meistert: «Damit könnte ich meinen eigenen Weltrekord unterbieten – ich gehe aber eher von 2 Stunden und 40 Minuten aus.» Zudem sei ein Sieg am Sonntag für ihn als blinden Teilnehmer sowieso fast nicht möglich: «Durch mein Handicap verliere ich wichtige Zeit an vielen Stationen.»

Sein Begleitläufer ist immer dabei

Wie immer wird er auch diesen Marathon nicht ganz allein bestreiten. Am Sonntag wird auch sein Begleitläufer Paul dabei sein. Durch ein Band sind die beiden Spitzensportler miteinander verbunden. Wie Wanyoike am Mittwoch erklärte, braucht das viel Vertrauen in den Partner: «Ich halte das Band auf der einen Seite und Paul auf der anderen. Das gibt mir die nötige Führung und Sicherheit beim Laufen.»

Beim Zürich Marathon wird das besonders wichtig. Da die Strecke durch die Innenstadt führt, gibt es einige Hindernisse: «Tramgleise sind zum Beispiel sehr rutschig. Aber auch Randsteine können gefährlich werden.» Seit Dezember bereitet sich der 44-Jährige auf den Zürich Marathon vor. Fünf- bis sechsmal die Woche hat er dafür trainiert. Bis zu 30 Kilometer lief er täglich. «Es war schon anstrengend», sagt der Kenianer.

«Ich will den Leuten zeigen, dass alles möglich ist»

Für Wanyoike war aber nicht immer klar, dass er sportlich so viel erreichen würde: «Nach meinem Schlaganfall im Jahr 1995 hatte sich mein Leben über Nacht komplett verändert. Ich hatte nicht nur einen Schock, sondern auch starke Depressionen.»

Seine Mutter brachte ihn in ein Rehabilitationszentrum für blinde Menschen in der Nähe der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Dort kämpfte er sich mithilfe von Sport langsam zurück ins Leben: «Ich will den Leuten zeigen, dass alles möglich ist. Ich bin das beste Beispiel.»

Mit Preisgeldern Foundation gegründet

Für die Schweizer Hilfsorganisation Licht für die Welt tritt er deshalb seit Jahren als Botschafter auf und engagiert sich aktiv für verschiedene Hilfsprojekte. Mit seinen Preisgeldern hat er die Henry Wanyoike Foundation gegründet. Mit dieser kaufte er Webstühle und Kühe für Blinde, damit diese selbstständig leben können.

Zudem gibt er an Schulen Vorträge für Kinder: «Da erzähle ich über mein Leben als Sportler und wie ich den Weg aus der Krise gefunden habe.» Für ihn ist diese Unterstützung selbstverständlich: «Viele Leute haben mir damals, als es mir schlecht ging, geholfen. Ich will nun für andere da sein und so etwas zurückgeben.»

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