Aktualisiert 04.12.2019 08:10

Zizers GR

Blitzer kann 20 Autos gleichzeitig knipsen

Die Kapo GR hat einen neuen Blitzer in Betrieb genommen. Ein Leser-Reporter ist über das Aussehen der Anlage empört.

von
maw
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Eine neue Radaranlage der Kantonspolizei Graubünden in Zizers GR sorgt auf Facebook für Diskussionen. Man könne es leicht mit einer Laterne verwechseln und es stehe an einer «gemeinen» Stelle, so Leser-Reporter Jusuf Zymeri.

Eine neue Radaranlage der Kantonspolizei Graubünden in Zizers GR sorgt auf Facebook für Diskussionen. Man könne es leicht mit einer Laterne verwechseln und es stehe an einer «gemeinen» Stelle, so Leser-Reporter Jusuf Zymeri.

Leser-Reporter/Jusuf Zymeri
Der Blitzer ist in der Tat neu, wie die Kapo GR bestätigt. Laut den Angaben des Herstellers ist dieses Modell mit Flüssiggas betrieben. Ein sogenannter Hybrid, der zwischen Batterie und und Flüssiggas wechsle. Damit kann er bis zu zwölf Tage autonom betrieben werden.

Der Blitzer ist in der Tat neu, wie die Kapo GR bestätigt. Laut den Angaben des Herstellers ist dieses Modell mit Flüssiggas betrieben. Ein sogenannter Hybrid, der zwischen Batterie und und Flüssiggas wechsle. Damit kann er bis zu zwölf Tage autonom betrieben werden.

privat
Auch kann die Höhe individuell eingestellt werden. Die stationäre Ausführung dieser Anlage kann bis zu einer Höhe von fünf Metern ausgefahren werden.

Auch kann die Höhe individuell eingestellt werden. Die stationäre Ausführung dieser Anlage kann bis zu einer Höhe von fünf Metern ausgefahren werden.

privat

«Diese Anlage ist in meinen Augen reine Abzocke», sagt Leser-Reporter Jusuf Zymeri (19). Er spricht von einem Blitzer, der in Zizers an der Tardisstrasse in einer 60er-Zone steht. Er hat ein Foto des neuen Blitzers auf Facebook gestellt. «Als ich auf die Anlage zuging, dachte ich zuerst, es sei eine Laterne», so Zymeri. «Doch dann haben mein Kollege und ich dieses Hightech-Ding mit einem Zwei-Meter-Mast gesehen.» Auch andere User melden sich zu Wort und ärgern sich etwa über die Stelle, an der der Blitzer aufgestellt wurde.

Eine Anfrage bei der Kantonspolizei Graubünden bestätigt, dass es sich beim Kasten um ein Modell der jüngsten Radar-Generation handelt. «Die Anschaffungskosten belaufen sich im Rahmen der Vorgängermodelle. Das sind rund 240'000 Franken», sagt Markus Walser, Mediensprecher der Kantonspolizei Graubünden. Der Blitzer wurde laut Polizei erst am 26. November in Betrieb genommen. «Seit Inbetriebnahme bis zum 2. Dezember wurden 779 Geschwindigkeitsüberschreitungen registriert.» Dies sind rund sieben Prozent der Verkehrsteilnehmer.

Die Anlage ist mit einer hochpräzisen Industriekamera ausgerüstet. Mit der eingebauten, automatischen Blendensteuerung ist es sogar bei schlechtem Wetter und entsprechenden Lichtverhältnissen möglich, scharfe Bilder zu erstellen. Ausserdem kann sie Videos mit fünf Sekunden Vor- und Nachlauf in Full HD aufnehmen.

Vier Spuren im Blick

Die Anlage hat beide Fahrtrichtungen im Blick und kann so Front- und Heckbilder von bis zu 20 Fahrzeugen auf vier Spuren gleichzeitig aufnehmen. «Bei dieser Anlage handelt es sich um ein Hybrid-Gerät», sagt der Geschäftsführer der Herstellerfirma, der anonym bleiben möchte, auf Anfrage von 20 Minuten. Die Anlage funktioniert mit einem Flüssiggasgenerator in Kombination mit Batterien. «Die Anlage lädt nur am Tag die Batterien auf. Sobald die erforderliche Spannung nachlässt, setzt der Gas betriebene Generator ein und lädt die Batterien während rund vier Stunden auf», so Walser.

Mit der hybriden Stromversorgung können im Vergleich zu früheren Modellen deutlich höhere Autonomiezeiten ermöglicht werden: Rund 12 Tage dauert es, bis Gas nachgefüllt werden muss. «Es ist sowohl ökologisch wie auch ökonomisch vertretbar», so der Hersteller. Teurer als die älteren Modelle sei die Anlage nicht. Zudem meint er: «Das Flüssiggas wird absolut rückstandslos verbrannt, und entwickelt weder Rauch noch giftige Gase oder Feinstaub.» Die Kantonspolizei Graubünden hat bisher ein Gerät gekauft. Weitere Aufträge aus anderen Kantonen seien in Arbeit.

Kritik wegen Diesel-Generator

Vor rund einem Jahr stand die Kantonspolizei Graubünden in der Kritik für einen Blitzer, der mit einem Diesel-Generator betrieben wurde. «Super gemacht! Um diesen Blitzer zu betreiben, verwendet die Bündner Polizei einen stinkenden Diesel-Generator. Tolle Ökobilanz im Sinne der Verkehrssicherheit. Sauerei so etwas», schrieb J.S.* damals auf Facebook. Und mit dieser Meinung stand J.S. nicht alleine. Der von ihm erstellte Beitrag wurde damals rund 1200 Mal geteilt und rege kommentiert. Die neue Anlage stellt gemäss der Kapo GR eine ökologische Alternative zum Diesel betriebenen Gerät dar.

Art. 98a Warnungen vor Verkehrskontrollen

1 Mit Busse wird bestraft, wer:

a. Geräte oder Vorrichtungen, die dazu bestimmt sind, die behördliche Kontrolle des Strassenverkehrs zu erschweren, zu stören oder unwirksam zu machen, einführt, anpreist, weitergibt, verkauft, sonst wie abgibt oder überlässt, in Fahrzeuge einbaut, darin mitführt, an ihnen befestigt oder in irgendeiner Form verwendet;

b. bei den Tatbeständen nach Buchstabe a Hilfe leistet (Art. 25 des Strafgesetzbuches2).

2 Die Kontrollorgane stellen solche Geräte oder Vorrichtungen sicher. Das Gericht verfügt die Einziehung und Vernichtung.

3 Mit Busse wird bestraft, wer:

a.öffentlich vor behördlichen Kontrollen im Strassenverkehr warnt;

b. eine entgeltliche Dienstleistung anbietet, mit der vor solchen Kontrollen gewarnt wird;

c. Geräte oder Vorrichtungen, die nicht primär zur Warnung vor behördlichen Kontrollen des Strassenverkehrs bestimmt sind, zu solchen Zwecken verwendet.

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