Blocher-Graben spaltet die Schweiz
Aktualisiert

Blocher-Graben spaltet die Schweiz

Der auf Bundesrat Blocher ausgerichtete Wahlkampf der SVP trägt Früchte - und teilt das Land. Die Partei kommt laut der jüngsten Umfrage wieder auf 26,7 Prozent, gleichviel wie 2003. Erstmals wurde auch nach der Beliebtheit der Bundesräte gefragt.

Die SVP konnte 1,1 Prozent mehr als im letzten Wahlbarometer von Anfang August verbuchen, wie das neueste Wahlbarometer von SRG SSR idée suisse zeigt. Es ist auch der beste Wert seit Januar. Die dem 8. Barometer zugrundeliegende Umfrage datiert von Mitte September.

Grüne stabil - SP gibt leicht nach

Zweitgrösste Partei hinter der SVP bleibt die SP mit 22,3 Prozent. Das sind 0,3 Prozent weniger als in der August- Befragung und 1 Prozent unter dem letzten Wahlergebnis.

Die Grünen hielten sich mit 10,6 Prozent gegenüber August praktisch stabil über der 10-Prozent-Marke. Damit sind die Grünen weiterhin die grössten Gewinner und liegen 3,2 Prozent über dem Wahlergebnis von 2003. Die Grünliberalen kämen auf Anhieb auf 2,5 Prozent, wäre Mitte September gewählt worden.

Die FDP, die im letzten Wahlbarometer hinter die CVP gefallen war, gewann 0,3 Punkte und kommt auf 15 Prozent. Die CVP legte aber gleichzeitig um 0,4 auf 15,4 Prozent zu, so dass sich in der Reihenfolge nichts ändert. Gegenüber den Wahlen von 2003 ist die FDP mit Minus 2,3 Prozent die grösste Verliererin. Die CVP legte 1 Prozent zu.

Hamlet-Frage: Blocher oder nicht?

Erstmals ging das Wahlbarometer nach der Kontroverse um die Geschäftsprüfungskommission, Blocher und alt Bundesanwalt Valentin Roschacher sowie der Wahlkampf-Zuspitzung auf den SVP-Bundesrat der Frage nach, welche Bundesräte am 12. Dezember wieder gewählt werden sollen.

Am besten schnitt Doris Leuthard mit 88 Prozent Zustimmung ab gefolgt von Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey (79 %). Samuel Schmid landete mit 77 Prozent auf dem dritten Rang. Hans-Rudolf Merz wollten 71 Prozent weiter im Bundesrat sehen und Moritz Leuenberger 69 Prozent.

Geteilt waren die Meinungen bei Blocher. Eine knappe Hälfte möchte ihn wiederwählen, 43 Prozent nicht. Am schlechtesten kam Pascal Couchepin mit 41 Prozent weg. 49 Prozent fanden, er solle nicht mehr gewählt werden.

Blocher- statt Röstigraben

In der Deutsch- und Westschweiz zeigten sich bei der «Blocher- Frage» grosse Unterschiede. Während sich in der Deutschschweiz 55 Prozent für seinen Verbleib in der Regierung aussprachen, wollten ihn in der Westschweiz 60 Prozent weghaben.

Ähnliches zeigte sich bei der Zusammensetzung des Bundesrats. Insgesamt sprachen sich 33 Prozent zwar für die heutige Formel (2 SVP, 2 SP, 2 FDP, 1 CVP) aus. 18 Prozent aber wollten eine grüne Vertretung zulasten der FDP, 15 Prozent ein Gremium ohne die SVP.

Dabei war die Zustimmung zur Formel ohne SVP in der Romandie mit 23 Prozent am höchsten, die aktuelle Formel beibehalten wollten dort nur 22 Prozent. In der Deutschschweiz sprachen sich 36 Prozent für den Status Quo aus, die Formel ohne SVP wollten nur 13 Prozent.

Derzeit schneidet der Bundesrat beim Vertrauen schlecht ab, so lautet ein weiteres Ergebnis der Umfrage. 47 Prozent sagten, dass sie in die Landesregierung kein Vertrauen hätten. 41 Prozent vertrauten dagegen dem Bundesrat voll. Wie SRG SSR idée suisse mitteilte, ist das höchste Nein-Anteil im Wahlbarometer 2007.

An den Wahlen teilnehmen wollten 53 Prozent, 2 Prozent weniger als bei der letzten Befragung. Das sind aber immer noch deutlich mehr als 2003. Damals lad die Wahlbeteiligung bei 45 Prozent. (sda)

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