Stadt-Bashing der SVP - «Blocher junior Marco Chiesa muss zurücktreten»
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Stadt-Bashing der SVP«Blocher junior Marco Chiesa muss zurücktreten»

SVP-Präsident Marco Chiesa will mit einem Stadt-Bashing bei den Wählern punkten. «Ein Armutszeugnis», sagt eine GLP-Nationalrätin. Eine SPlerin fordert nun seinen Rücktritt.

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SVP-Chef Marco Chiesa poltert gegen die Städter.

SVP-Chef Marco Chiesa poltert gegen die Städter.

20min/Matthias Spicher
An seiner 1.-August-Rede teilte er scharf aus. 

An seiner 1.-August-Rede teilte er scharf aus.

20min/Taddeo Cerletti
«Die Luxus-Linken und Bevormunder-Grünen leben abgehoben in ihren Blasen, ohne Bezug zur Realität der meisten Menschen in diesem Land. Verächtlich schauen sie auf die Landbevölkerung herab», sagte Chiesa in seiner Rede.

«Die Luxus-Linken und Bevormunder-Grünen leben abgehoben in ihren Blasen, ohne Bezug zur Realität der meisten Menschen in diesem Land. Verächtlich schauen sie auf die Landbevölkerung herab», sagte Chiesa in seiner Rede.

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Darum gehts

  • SVP-Präsident Marco Chiesa hat am 1. August bereits den Wahlkampf für 2023 eingeläutet.

  • Kern seiner Polemik ist ein Angriff auf die «Luxus-Linken und Bevormunder-Grünen in den Städten».

  • «Der neue Blocher junior hat eine rote Linie überschritten», so eine SP-Nationalrätin.

Nachdem die SVP am letzten Abstimmungssonntag das CO2-Gesetz mithilfe der ländlichen Bevölkerung gebodigt hat, tritt SVP-Chef Marco Chiesa nach: In seiner 1.-August-Ansprache hielt er eine eigentliche Brandrede auf die «Luxus-Linken und Bevormunder-Grünen in den Städten».

Chiesa fuhr mit demselben Furor über diese «Parasitenpolitik» fort: «Die Luxus-Linken und Bevormunder-Grünen leben abgehoben in ihren Blasen, ohne Bezug zur Realität der meisten Menschen in diesem Land. Verächtlich schauen sie auf die Landbevölkerung herab. Gleichzeitig profitieren sie von Transferzahlungen der Landschaft, zum Beispiel durch den Lastenausgleich.»

Städten das Geld wegnehmen

Den Städten, die für das Land schädliche Politik betrieben, müsse das Geld entzogen werden, polterte Chiesa. Dazu werde man Vorstösse einreichen.

Der Rundumschlag der SVP kommt ausserhalb der Volkspartei schlecht an.

«Marco Chiesa, der neue Blocher junior, hat eine rote Linie überschritten», twitterte SP-Nationalrätin Laurence Fehlmann. Er beleidige die Städte und müsse nun zurücktreten.

Auch GLP-Nationalrätin Judith Bellaiche hat kein Verständnis für das Stadt-Bashing des SVP-Präsidenten. «Ich distanziere mich vom schäbigen Bild, das Marco Chiesa von der Politik und vom Parlament abgibt und hoffe, die Menschen können differenzieren. Beleidigungen, Drohungen, Respektlosigkeit und Menschenverachtung sind kein Bestandteil der Politik. Sie sind lediglich ein Armutszeugnis.»

Geht die Strategie der SVP-Polemik gegen die Städter auf? Zweifel daran hat der Politologe Mark Balsiger.

«Ich werte die Botschaft von Chiesa auch als Versuch, den Erfolg, den die SVP mit dem CO2-Gesetz hatte, weiterzuziehen», sagte Politologe Louis Perron zum «Tages-Anzeiger». «Es war der erste Erfolg der Volkspartei seit langem und dann erst noch einer ausserhalb des Kernthemas ‘Ausländer’. Aus Kampagnensicht ist es da nicht falsch, ein Bricket nachzulegen.»

Jedenfalls sorgt der Stil der Rede auch innerhalb der Volkspartei für Stirnrunzeln.

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(pam)

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