Blocher-Kandidatur: Zerreissprobe für die SVP

Aktualisiert

Blocher-Kandidatur: Zerreissprobe für die SVP

Die SVP-Parteileitung erntet Kritik aus den eigenen Reihen: In der Berner und Aargauer SVP regt sich Widerstand gegen die von Parteipräsident Ueli Maurer angekündigte Strategie.

Die beiden Kantonalparteien stellen sich hinter Bundesrat Schmid. «Ich bin enttäuscht», sagte die Berner SVP-Politikerin Ursula Haller, die bei den Nationalratswahlen im Kanton Bern das beste Resultat erzielt hatte, am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Die Strategie der Parteileitung laute: «Bist Du nicht willig, so brauch' ich Gewalt». Einer Partei «auf dem Gifpel der Macht» sei das nicht würdig.

Angekündigter Widerstand

Haller zeigt sich trotzdem zuversichtlich: Bis zu den Bundesratswahlen werde «noch viel Wasser die Aare hinunter fliessen», sagte sie. Sie hoffe, dass die Berner SVP die Strategie der Parteileitung nicht mittrage. Und sie gehe davon aus, dass Bundesrat Samuel Schmid sich «so etwas» nicht bieten lassen werde.

Den Oppositionskurs lehnt Haller generell ab. Gegen einen Bundesrat Christoph Blocher hätte sie nichts einzuwenden. Blocher würde in dieser Rolle merken, wie schwierig es sei, Sachpolitik zu betreiben. Über Kandidatennamen müsse aber im Minimum diskutiert werden dürfen.

Berner Parteileitung vorsichtig

SVP-Kantonalpräsident Hermann Weyeneth formulierte die Kritik etwas vorsichtiger. In dieser «ultimativen Form» sei die von SVP- Parteipräsident vorgebrachte Forderung für ihn «überraschend» gewesen, sagte er gegenüber Schweizer Radio DRS.

Für den Berner SVP-Sekretär Christoph Neuhaus kam die Forderung der Partei am Wahlsonntag «wie ein Blitz aus heiterem Himmel». Die SVP Bern hält am Dienstag eine Delegiertenversammlung ab. Es werde mit Sicherheit heftige Diskussionen geben, sagte Neuhaus.

Kritik aus dem Aargau

Auch aus anderen Kantonen waren kritische Stimmen zu hören. «Wir sind doch kein Kasperlitheater», empörte sich der Aargauer Parteipräsident und Nationalrat Hans Ulrich Mathys. Der neue SVP- Bundesrat müsse in einem demokratischen Verfahren gewählt werden, sagte Mathys gegenüber Radio DRS. «Bei der SVP gibt es kein Politbüro, das sagt, wo es lang geht».

Mathys kritisierte auch den Umgang der Partei mit Bundesrat Schmid. Dagegen werde sich seine Kantonalpartei wehren. Eine Partei habe sich hinter ihren Bundesrat zu stellen. «Aber gewissen Leuten steigt der Erfolg eben in den Kopf». (sda)

Deine Meinung