Aktualisiert 17.09.2006 22:27

Blocher-Karikaturen: Griff in die Trickkiste?

Silvia Blocher, Gattin von Justizminister Christoph Blocher, wehrt sich gegen die Vorwürfe, sie habe gegen die Karikaturen in der Sendung «Infrarouge» Zensur üben wollen. Für sie sind die Satirezeichnungen stark fremdenfeindlich.

Sie habe ihren Mann aber auf die Unterstellungen aufmerksam gemacht, da sie im Warteraum des TSR in Genf als Einzige die Illustrationen gesehen habe, sagte sie in einem Interview der «SonntagsZeitung». Die Bilder und Zeichnungen mit stark fremdenfeindlichen Inhalten seien ohne Wissen ihres Mannes und entgegen den getroffenen Abmachungen eingeblendet worden, während dieser über das neue Asyl- und Ausländergsetz informiert habe.

Verabscheuungswürdige Haltung unterstellt

Die Illustrationen hätten zudem wenig mit Karikaturen zu tun. Sie seien vielmehr der Versuch, ihren Mann als Verfechter der beiden Gesetze zu diffamieren, indem man ihm eine verabscheuungswürdige Haltung unterschiebe, sagte Frau Blocher und ergänzte: «Diese Art der Verunglimpfung und Diabolisierung - vor allem durch die welschen Medien - ist uns ja nicht fremd.»

Es schmerze sie, in einem öffentlichen Schweizer Fernsehen Zeichnungen zu sehen, welche den Ausländern mit solcher Missachtung begegneten, dazu mit der Stimme ihres Mannes im Hintergrund. Sie verwies dabei auf ihre vielen ausländischen Freunde, ihren ausländischen Schwiegersohn und ihre ausländische Hausangestellte.

Griff in die juristische Trickkiste?

Die Sendung war am Montag in Genf aufgezeichnet worden. Trotz Blochers Versuch, die Publikation der Karikaturen zu unterbinden, ging sie am Dienstagabend auf Sendung. Die Illustrationen des als «Mix & Remix» bekannten Zeichners Philippe Becquelin sind jeweils ein fixer Bestandteil von «Infrarouge».

Offen ist, wie Blocher auf die gegen seinen Willen ausgestrahlten Satirezeichnungen reagiert. Ob er eine Klage einreichen oder an die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) oder an den Presserat gelangen will, ist noch nicht entschieden. Die Reaktion Blochers ist vorab in der Westschweiz kritisiert worden.

Blochers Pressesprecher Livio Zanolari wurde vom «SonntagsBlick» zitiert, man werde eine Klage wegen Verletzung der Antirassismus-Norm prüfen.

(AP/SDA/ast)

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