Wahlkampf-Songs: Blocher, Maurer und Willy singen für die Freiheit
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Wahlkampf-SongsBlocher, Maurer und Willy singen für die Freiheit

Politiker fluten das Internet vor dem Wahlherbst mit lustigen oder skurrilen Videoclips. Jüngstes Beispiel: Die SVP-Führungsriege besingt die Freiheit.

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Die SVP-Führungsriege lässt sich nicht lumpen und widmet einen Wahlkampfsong an Maskottchen Willy und die Freiheit.

Bisweilen amüsant, manchmal schräg oder auch peinlich: Im Internet tauchen immer mehr selbst produzierte Videos auf, in denen sich Politiker dem Wahlvolk von ihrer Schoggiseite zeigen wollen – ein Unterfangen, das allerdings nicht allen gleich gut gelingt.

Mit dem Song «Wo en Willy isch, isch au en Wäg» widmet die SVP ihren aktuellen Wahlkampfhit dem Maskottchen Wachhund Willy, benannt nach Willhelm Tell. Auch sonst will sich die Partei auf 1291 zurückbesinnen und «frei bleiben». Komponiert hat den Song Musiker Willy Vogel, welcher auch im Video mitwirkt.

Auch amtierende Nationalräte wollen da nicht zurückstehen. So hat Beat Flach auf Youtube einen GLP-Song mitsamt Video veröffentlicht. Dafür hat Flach gar drei Gesangsstunden genommen. Begleitet wird er unter anderem von seiner Frau Angélique. Zu sehen sind im Video Entchen, Schwäne und immer wieder Flach. Dazu trällert der Aargauer: «Es isch d Natur wo eus alls zum Läbe git, dorum passe mir uf und zerstöre si nid, drum bin ich grüenliberal, grüenliberal [...].»

Auch andere Kandidaten ziehen alle Register. 20 Minuten hat einige Perlen zusammengetragen. So inszeniert sich zum Beispiel Dominik Dietrich für die SP St. Gallen im Wahlkampf:

Ein ohrenbetäubender Countdown begrüsst den Zuschauer, gefolgt von Bildern des Kandidaten mit SP-Grössen, alles unterlegt mit epischer Musik. Dies wird dann getoppt durch Unterstützungsvideos des Schweizer Rappers Greis und des deutschen Musikers Oli P., welcher zuletzt um die Jahrtausendwende Hits landete. Das Ganze wurde dann in einer Qualität des ebenfalls um die Jahrtausendwende populären «Windows Movie Maker» zusammengeschnitten.

Dass es auch anders geht, zeigt ein Basler Kandidat: Fast schon hollywoodreif ist das Wahlkampfvideo von Stephan Mumenthaler (FDP). Da gibt es technische Finessen wie Timelapse, dynamische Kameraführung und Statisten, die Ihren Text können. Sogar eine hübsche Sekretärin bringt mit einem dramatischen Auftritt Schwung in die Szene. Das Video kann so beinahe mit Polit-Serien wie «House of Cards» mithalten.

Die SVP Schwyz hat sich besonders ins Zeug gelegt: Videos Ihrer Kandidaten sind allesamt mit epischen Intros und explodierenden Schriftzügen gespickt. «Grenzen zu, Flüchtlinge alle zurückweisen», sagt Kandidat Xaver Schuler mit Inbrunst.

Kandidat Roland Lutz holt sich bei Schnaps und Bier Stimmen der Unterstützung: Vreni Stössel («2 schöne Töchter») kritisiert seinen Dialekt, mag aber seine Politik. Toni Holdener (IT-Unternehmer) sagt: «De Lutz isch en verruckte Siech, aber ich wähl ihn glich.»

Musikalisch kann Lutz auch einiges. So spielt er auf dem stillen Örtchen mit der Gitarre ein Ständchen, das die Politikstile der SP, CVP und SVP repräsentieren soll.

Gar einen eigenen Wahlkampfsong hat Kandidat Egger, Kandidat der SVP St. Gallen, hochgeladen. Gesungen werden die Lieder vom Rheintaler Hobby-Musiker Dominique Baumgartner. Mit seiner Gitarre singt er im Auftrag von Egger auf einer Parkbank über Migranten, Islamisten und die EU, zögerlich begleitet von weiteren jungen Menschen.

Besonders aufwändig produziert ist das Video der FDP Fribourg, bei der Kandidat Christian Udry seine Hobbys (Motorradfahren, Reisen, «Herr der Ringe») mittels Visualiserungen dynamisch in Szene setzen kann. Doch der Lebenslauf im Video zieht sich etwas in die Länge und die Tonaufnahmen des Kandidaten könnten auch besser sein.

Auch die Parteien haben bereits Videos hochgeladen. So versucht die BDP, an Ihrem Parteitag die Wahl der Biene als Maskottchen zu erklären. Dazu werden die Mitglieder im Halbdunkel abgefilmt.

Kleinstparteien wie die «Lösungsorientierte Volksbewegung» wagen sich auf Youtube. Das Rezept: Visionäres In-die-Ferne-Starren, sanfte Gitarrenklänge und ins Bild fliegende Buchstaben.

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