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Blocher will für Flüchtlinge eine Lehre schaffen

Christoph Blocher will in der Schweiz eine «Flüchtlings-Lehre» für definitiv aufgenommene Asylbewerber schaffen.

Sie soll zwischen wenigen Monaten und einem Jahr dauern und den Flüchtlingen einen Einstieg ins Berufsleben ermöglichen.

Gegenwärtig arbeiteten bloss etwa 23 Prozent der erwerbsfähigen Flüchtlingen, die für immer aufgenommen sind, sagte Blocher in einem Interview mit dem «SonntagsBlick». Alle anderen lebten von der Sozialhilfe und seien dementsprechend schlecht integriert. Das müsse sich ändern.

Ihm schwebe eine Art «Flüchtlingsschulung» vor, die den Einstieg ins normale Arbeitsleben ermögliche. Das Konzept werde momentan erarbeitet, sagte Blocher. «Ich könnte mir vorstellen, dass diese so genannte Flüchtlings-Lehre zwischen wenigen Monaten und maximal einem Jahr dauert.»

Die Lehre soll den beruflichen Fähigkeiten der Flüchtlinge angepasst sein. Hätten die Flüchtlinge dann erst mal einen Job und seien sie tüchtig, würden sie rasch aufsteigen, zeigte sich Blocher überzeugt. Das habe er in seinem eigenen Unternehmen beispielsweise mit Tamilen erlebt.

Anbieten soll die Ausbildung der Staat, in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Blocher ist überzeugt, dass mit der Massnahme nicht nur die Integration gefördert wird, sondern auch Kosten gespart werden können. Die Finanzierung der Ausbildung komme günstiger, als wenn jemand jahrelang von der Sozialhilfe lebe, obwohl er arbeiten könne, sagte er.

Insgesamt sieht Blocher im Asylbereich Raum, um Millionen einzusparen. Momentan erarbeite sein Departement ein Programm, um die Kosten um jährlich 200 Mio. Franken zu senken, sagte er. Heute koste jeder Flüchtling Bund und Kantone insgesamt eine Million Franken. Das sei Unsinn.

Diese Einsparungen stünden im Zusammenhang mit dem erwarteten Rückgang der Anzahl Asylgesuche auf 10 000, sagte Livio Zanolari, Sprecher des Eidg. Justiz- und Polizeidepartements auf Anfrage. Im letzten Jahr waren gut 14 000 Asylgesuche eingereicht worden, in der ersten Hälfte 2005 waren es 4672.

«Richtige Richtung»

Jürg Schertenleib, Sprecher der Schweizerischen Flüchtlingshilfe, geht Blochers Vorschlag in die «richtige Richtung». Es dürfe allerdings keine Einheitslehre geben, sagte er gegenüber der Tagesschau vom Schweizer Fernsehen. Man könne etwa aus Professoren keine Tellerwäscher machen.

Weiter sagte Schertenleib, er befürchte, dass Bundesrat Blocher nun ablenken wolle von den Verschärfungsmassnahmen, die er letzte Woche durch das Parlament gepaukt habe.

(sda)

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