Trotz Kurzarbeit: Blochers und Hayeks zahlen sich hohe Dividenden aus
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Trotz KurzarbeitBlochers und Hayeks zahlen sich hohe Dividenden aus

Die Familienunternehmen Ems-Chemie und Swatch Group schütten hohe Dividenden aus – obwohl beide Unternehmen Teile der Belegschaft in Kurzarbeit geschickt haben.

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263 Millionen Franken Dividende für ihre Familie: Ems-Chemie-Chefin Magdalena Martullo-Blocher. (Archivbild)

263 Millionen Franken Dividende für ihre Familie: Ems-Chemie-Chefin Magdalena Martullo-Blocher. (Archivbild)

Reuters/Denis Balibouse
Hat im letzten Jahr 3700 Stellen abgebaut: Nick Hayek CEO der Swatch-Group. (Archivbild)

Hat im letzten Jahr 3700 Stellen abgebaut: Nick Hayek CEO der Swatch-Group. (Archivbild)

Reuters/Danis Balibouse

Darum gehts

  • Die Familienaktionäre bei Ems-Chemie und Swatch Group haben sich hohe Dividenden ausgezahlt.

  • Beide Unternehmen haben einen Teil der Belegschaft in die Kurzarbeit geschickt.

  • Die Swatch Group hat im letzten Jahr 10 Prozent der Belegschaft abgebaut.

  • Die Auszahlung ist umstritten.

  • Die Politik sprach sich aber dafür aus.

Die Dividenden, die sich reiche Aktionärsfamilien dieses Jahr auszahlen lassen, stehen zum Teil im Widerspruch zum Verhalten ihrer Firmen in der Pandemie. Das schreibt die «SonntagsZeitung». So gab der Ems-Chemie-Konzern diese Woche bekannt, dass er eine Dividende von 398 Millionen Franken ausschüttet, davon gehen 263 Millionen an Magdalena Martullo-Blocher, Rahel Blocher und Miriam Baumann-Blocher.

Die drei Schwestern gehören damit zu den grössten Dividendenbezügerinnen des Jahresobwohl das Unternehmen über einen Teil seiner Beschäftigten Kurzarbeit verhängt hat. «Ems-Chemie hat Auftragsschwankungen im Ausland über Kurzarbeit aufgefangen», bestätigt ein Sprecher.

Millionen an Nick und Nayla Hayek sowie Johann Schneider-Ammann

Obwohl die weltgrösste Uhrenherstellerin Swatch Group erstmals rote Zahlen schreibt, will der Verwaltungsrat eine Dividende von 181 Millionen Franken ­ausschütten. 43 Millionen davon gehen laut der «SonntagsZeitung» an die Familien von Konzernchef Nick Hayek, Verwaltungsratspräsidentin Nayla Hayek und Alt-Bundesrat ­Johann Schneider-Ammann. Und dies, obwohl der Uhrenkonzern im vergangenen Jahr den Personalbestand weltweit um 10 Prozent oder 3700 Mitarbeitende abgebaut hat. Und obwohl er einen grossen Teil seiner Beschäftigten in Kurzarbeit geschickt hat.

Von den 17’000 Beschäftigten in der Schweiz erhielten im vergangenen Jahr 12’000 vorübergehend ihren Lohn von der Arbeitslosenversicherung. Auch jetzt steckt ein Teil des Personals noch in Kurzarbeit, wie ein Sprecher bestätigt.

Politik lässt Auszahlungsverbot wegen Corona keine Chance

Die Frage zur Auszahlung von Dividenden ist umstritten und beschäftigte im Mai des vergangenen Jahres auch die Politik. Der Ständerat lehnte ein vom Nationalrat beschlossenes Verbot der Auszahlung von Dividenden allerdings mit 31 zu 10 Stimmen klar ab.

Die Ratsmehrheit des Ständerats begründete ihren Entscheid damit, dass ein Verbot ein fundamentaler Eingriff in die Eigentumsverhältnisse sei. Besonders umstritten war, dass die Verbotsregelung auch rückwirkend hätte gelten sollen. Also auch für Firmen, die bereits eine Dividende ausgesprochen haben.

Ausserdem hiess es, dass die Kurzarbeit dabei helfen sollte, Entlassungen zu verhindern. Mit dem Dividendenverbot seien aber mehr Kündigungen zu befürchten. Denn das Verbot hätte nur die Kurzarbeit betroffen, nicht aber den Job-Abbau.

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(chk)

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