Aktualisiert 25.02.2011 15:38

Der weisse Fleck

Blochers Unding

Nach dem Schlagabtausch im Zürcher Schauspielhaus schien das Kriegsbeil zwischen Christoph Blocher und Jean-Claude Juncker begraben. Für Blocher offenbar nicht.

von
Ronny Nicolussi

Das «geostrategische Unding» lässt Christoph Blocher keine Ruhe. Die viel zitierte Aussage des Chefs der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, bleibt für den SVP-Chefstrategen offenbar ein Thema. In einem Gastbeitrag im «Magazin», das am Samstag erscheint, legt Blocher erneut seine Interpretation zur Aussage Junckers dar: «Unser Land (...) werde von der EU als ‹geostrategisches Unding› wahrgenommen».

Dabei schien der Disput zwischen den beiden Politikern nach dem Streitgespräch im Zürcher Schauspielhaus Mitte Januar beigelegt. Juncker hatte seine Position, die bei genauem Lesen des Zitats eindeutig ist, ausführlich dargelegt. Trotzdem unterstellt Blocher Juncker jetzt, die Schweiz als etwas Unmögliches, Unsinniges zu sehen. «Ganz sicher etwas, das man entfernen und ausmerzen muss.»

Das Unding ist die Tatsache - nicht das Land

Zur Erinnerung: Juncker hatte im Dezember in einem Interview der «Zeit» gesagt, er wünsche sich einen EU-Beitritt der Schweiz, auch wenn er wisse, dass ein solcher dem Volkssouverän immer noch widerstrebe: «Aber die EU würde so kompletter werden. Es bleibt nämlich ein geostrategisches Unding, dass wir diesen weissen Fleck auf der europäischen Landkarte haben.» Ein Unding bleibt laut Juncker also nicht die Schweiz, sondern der Umstand, dass es auf der Landkarte einen Flecken gibt, der nicht zur EU gehört. Ein feiner aber wesentlicher Unterschied, den Juncker bereits beim Streitgespräch im Pfauen wiederholt explizit präzisierte.

Blocher war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sein Sprecher, Livio Zanolari, hielt auf Anfrage von 20 Minuten Online jedoch fest, dass sich die Ausdrücke «geostrategisches Unding» und «weisser Fleck» eindeutig auf die Schweiz bezogen hätten. «Das war eine klar negative Qualifizierung unseres Landes», so Zanolari. Und dies habe Blocher als harten Angriff verstanden.

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