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Falsches VideoBlogger bezichtigen H&M der Kinderarbeit

Zwei Modeblogger legen sich mit H&M an und veröffentlichen ein Fake-Video, das zeigt, wie Kinder die neue H&M-Kollektion von Alexander Wang nähen. Der Konzern klagt.

von
cls

Den Mutigen gehört die Welt. Nach dieser Devise leben David Kurt Karl Roth und Jakob Haupt. Die beiden Modeblogger aus Berlin nehmen den aktuellen Hype um die Alexander-Wang-Kollektion von H&M auf die Schippe, um auf Kinderarbeit in Indien aufmerksam zu machen.

Im Dokumentarvideo «Alternative Werbung» sitzen ein paar Jungs statt in einer Schule in einer Fabrikhalle an Nähmaschinen und arbeiten. Die Kamera zieht auf einen der Jungen, der das Etikett Alexander Wang x H&M in ein schwarzes Kleidungsstück einnäht. Kinderarbeit bei H&M? Was für ein Skandal.

Aufschrei zur Design-Kooperation

Doch das Video ist nicht echt. Die Blogger haben für den «Fair Trade»-Dreh bezahlt. «Wir haben den Kindern 500 Euro bezahlt. 500 Euro für 20 Kinder für je 90 Minuten Arbeit», sagt David Roth zu Stylebook. «Wir haben die Kids für ihre Arbeit bezahlt.»

Auf ihrer Website erklären die beiden ihre Beweggründe: «Alexander Wang und H&M sind sich näher, als man auf den ersten Blick denken würde: Wang wurde einst übel geschmäht, weil er seine miesbezahlten Näher in China Town 16 Stunden am Tag und ohne Pause arbeiten liess, und der schwedische Kinderarbeitgeber lässt bekanntermassen in asiatischen Sweatshops gerne mindestens genauso lang und nach Möglichkeit von möglichst zierlichen Händchen seine 4,90 Euro T-Shirts nähen. Man ist sich also einig darin, wie man effizient und marktwirtschaftlich mit menschlicher Arbeitskraft umgeht – nämlich möglichst gewinnoptimiert.»

Juristische Konsequenzen

Dass die beiden 30-Jährigen aus Berlin die Fertigungsbedingungen des Modekonzerns («Ramschriesen» nennen Roth und Haupt den Konzern) und des Designers Alexander Wang zur Diskussion stellen, missfällt dem schwedischen Konzern natürlich gewaltig. Er kündigte juristische Schritte an. «Die nach eigenen Angaben der Autoren in Indien aufgenommenen Videoaufnahmen zeigen nicht die Produktion von Teilen der Alexander-Wang-x-H&M-Kollektion», heisst es in der Mitteilung von H&M.

«Diese Kollektion wurde nicht in Indien produziert», schreibt das Unternehmen. Zudem dulde H&M per Verhaltenskodex des Unternehmens ausdrücklich keine Kinderarbeit, betont der Konzern. Auch die Lieferanten des Konzerns verpflichteten sich Unternehmensangaben zufolge mit ihrer Unterschrift, den Verhaltenskodex von H&M zu befolgen.

Proteste in den sozialen Netzwerken

Bei Facebook, Twitter und Co. zieht der #WANGBANG weite Kreise. 21'500 Menschen haben ihn auf Youtube bereits gesehen.

Der Grund für das Video sei gewesen, «einen Denkanstoss» zu geben, sagt der Autor Roth Spiegel Online. Teile davon seien inszeniert. Welche, will er nicht sagen.

Der Fall erinnert an die Kampagne gegen das irische Textilunternehmen Primark, das im Verdacht stand, unter menschenunwürdigen Bedingungen produzieren zu lassen. In einigen Kleidungstücken wurden Zettel mit Hilferufen von Textilarbeitern gefunden. Diese stellten sich aber als Fake heraus.

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