Angestellten stinkts: BLS-Lokführer sollen Zugs-WCs selber leeren
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Angestellten stinktsBLS-Lokführer sollen Zugs-WCs selber leeren

Lokführer der BLS sollen in Zukunft auch für einen Teil des Zug-Unterhalts verantwortlich sein. Sie sollen etwa die Fäkalien der Passagiere selber entsorgen.

von
cho
Was hier hinuntergespült wird, soll schon bald von den Lokführern geleert werden.

Was hier hinuntergespült wird, soll schon bald von den Lokführern geleert werden.

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Den BLS-Lokführern droht ein Scheiss-Job – wortwörtlich. Die Unternehmensleitung der Berner Bahngesellschaft schmiedet Pläne, wonach die Frauen und Männer im Führerstand künftig auch für das Entleeren der Fäkaltanks zuständig sind. Dies, weil die Werkstätte Bern-Aebimatt spätestens 2020 wegfällt, wo derzeit die Fäkaltanks geleert werden, wie BLS-Sprecherin Helene Soltermann sagt: «Wir planen Ent- und Versorgungsanlagen an neuen Standorten.»

Thun, Neuenburg und Burgdorf seien derzeit geplant. In Thun könnte es bereits Ende Jahr soweit sein: «Weil die Werkstätte in Spiez renoviert wird, müssen wir in diesem Gebiet möglichst bald eine Anlage in Betrieb nehmen», so Soltermann.

Rund alle drei Tage müssen die Toilettentanks der BLS-Kompositionen entleert und mit frischen Wasser befüllt werden. Dazu werden Schläuche seitlich der Zugkomposition angehängt, die die Fäkalien abpumpen. Diese Aufgabe übernahmen bisher die Mitarbeiter der Werkstätte. Soltermann betont jedoch, dass noch nichts in Stein gemeisselt sei: «Wird sind derzeit mit Vertretern der Belegschaft im Gespräch.» Auch Sozialpartner würden in einer zweiten Phase dazu geholt.

Belegschaft nicht erfreut

Obschon die Idee bisher lediglich auf dem Papier besteht, ist sie bereits zur Belegschaft durchgesickert. Ein BLS-Lokführer, der anonym bleiben will, sagt gegenüber 20 Minuten, dass niemand Freude an den Absichten des Kaders habe: «Wir wurden angestellt, um Züge zu fahren und nicht um diese zu unterhalten.»

Ins selbe Horn stösst auch Hubert Giger, President des Verbands Schweizer Lokomotivführer und Anwärter VSLF: «Lokführer sollen für ihren Beruf angemessene Arbeit verrichten – und das ist Züge zu führen.» Arbeitgeber könnten nicht einfach beliebig Pflichten anhängen. Schon heute seien Lokführer auch Auskunftsstelle für viele Passagiere oder müssten auch mal Güterwagons selber an- oder anhängen.

Solche Zusatzaufgaben stören auch den Lokomotivführer, der mit 20 Minuten sprach. Die Wertschätzung seines Berufsstandes sinke – auch bei der Chefetage: «Früher haben wir noch ein 1.-Klasse-GA als Dankeschön bekommen. 2016 gab es noch drei Ragusa-Stängeli.»

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