10.07.2014 07:56

Zürcher Werdinsel

Blüttler – Politiker fordern Massnahmen

Nacktbader oder gar Sex in freier Wildbahn: Weil dies auf der Werdinsel immer wieder für Zoff sorgt, verlangen nun Politiker zusätzliche Regeln.

von
som
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Derzeit erarbeitet die Stadt ein Nutzungskonzept, um Konflikte auf der Werdinsel zu lösen. Im Auftrag der Stadt Zürich erfassen Mitarbeitende derzeit von Urban Mobility Research Ende Juni schon mal die Passantenströme auf der Zürcher Werdinsel - hier beispielsweise am Fischerweg ...

Derzeit erarbeitet die Stadt ein Nutzungskonzept, um Konflikte auf der Werdinsel zu lösen. Im Auftrag der Stadt Zürich erfassen Mitarbeitende derzeit von Urban Mobility Research Ende Juni schon mal die Passantenströme auf der Zürcher Werdinsel - hier beispielsweise am Fischerweg ...

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... - dieser wurde in den vergangenen zwei Jahren stark verbreitert. Kein Wunder: Im Spitzenmonat Mai 2011 zählte die Stadt hier 38'000 Passanten.

... - dieser wurde in den vergangenen zwei Jahren stark verbreitert. Kein Wunder: Im Spitzenmonat Mai 2011 zählte die Stadt hier 38'000 Passanten.

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Doch nicht nur am Fischerweg werden Zahlen erhoben, auch an anderen Orten der Werdinsel wie hier im Aubad ...

Doch nicht nur am Fischerweg werden Zahlen erhoben, auch an anderen Orten der Werdinsel wie hier im Aubad ...

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An heissen Sommertagen tummeln sich jeweils über 4000 Menschen auf der Werdinsel – doch die Idylle in einem der schönsten Erholungsgebiete in Zürich trügt. Denn der untere Teil der Insel ist ein beliebter FKK-Badeplatz und Treffpunkt für Schwule. Als Badegast kann man deshalb nicht nur von nackten Menschen überrascht werden, sondern muss auch damit rechnen, unfreiwillig Zeuge sexueller Handlungen zu werden – Konflikte sind vorprogrammiert.

Zwar entwickelten Grün Stadt Zürich, Anwohner, die Polizei und weitere Akteure im Netzwerk Sicherheit und Polizei bereits 2005 Massnahmen, damit Blüttler, Hündeler, Badegäste und Spaziergänger besser aneinander vorbeikommen. Gelöst ist das Problem aber nicht. Deshalb erarbeitet Grün Stadt Zürich ein Nutzungskonzept, das laut der «NZZ» bis im Herbst vorliegen soll. Über die geplanten Massnahmen wird noch nichts verraten.

SP will FKK-Bereich kennzeichnen

Die SP will nicht so lange warten. Mit einem Postulat fordert sie den Stadtrat auf, zu prüfen, wie der FKK-Bereich auf geeignete Weise gekennzeichnet werden könnte. Die Werdinsel sei gross genug für alle, sagte Postulant Alan David Sangines. Er befürchtete am Mittwoch im Gemeinderat gar, dass der Nacktbadebereich mit einem Sichtschutz abgesperrt werde. Horrorgeschichten über Orgien seien masslos übertrieben, so der Gemeinderat. Und wer gern nackt bade, sei nicht auch sexuell zügellos. Es gehe nicht an, in zwinglianische Zustände zurückzufallen. Aber mit einer Signalisation könnte dem Nutzungsbedürfnis aller Rechnung getragen und der Ort für alle als Erholungszone erhalten werden.

Dem hielt die SVP entgegen, die Zustände auf der Werdinsel seien unhaltbar. Mit der zunehmenden Zahl von Gästen gebe es auch immer mehr Konflikte, sagte ihr Sprecher Martin Bürlimann. Das sei unausweichlich, aber leicht erklärbar. Denn letztlich sei das eine absehbare Folge der ungebremsten Einwanderung – Dichtestress also. Mit einer Hinweistafel vor dem FKK-Strand mache man niemandem einen Gefallen und löse kein einziges Problem. Lösungen verlangten nach anderen Massnahmen. Der Rat liess sich davon nicht beeindrucken und überwies das Postulat mit 98 zu 20 Stimmen gegen die SVP.

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