01.07.2014 20:10

Keine Zeit

Blut-Engpass wegen der WM

Die Blutreserven in der Schweiz sind auf einem Tiefstand. Der Grund: Wegen der WM geht niemand spenden. Dazu kommt, dass das schöne Wetter die Leute von den Spitälern fernhält.

von
vro
Die Blutreserven wurden in diesem Jahr bereits Mitte Juni knapp.

Die Blutreserven wurden in diesem Jahr bereits Mitte Juni knapp.

Dass im Sommer weniger Schweizer Blut spenden, ist bekannt. Das schöne Wetter hält viele von ihnen von den Zentren ab. Deshalb werden im Mai und im Juni die Vorräte auf ein Maximum aufgestockt. Normalerweise beginnt dann der Engpass Ende Juli. Doch in diesem Jahr wurde der Notstand bereits Mitte Juni verzeichnet, wie «Le Matin» schreibt. Der Grund: «Im Fernsehen läuft die Fussball-Weltmeisterschaft», sagt Rudolf Schwabe, Direktor von Blutspende Schweiz zum «Zürcher Unterländer». «Die Leute haben dann keine Zeit mehr für Blutspenden.» Auffällig ist, dass dieser Blut-Notstand alle zwei Jahre auftaucht, während der WM oder der Europameisterschaft.

Dazu komme, dass die Blutkonserven nur ein bis zwei Wochen haltbar seien. Laut Schwabe liegen die Reserven derzeit bereits 20 Prozent unter dem kritischen Bestand. Das kann weitreichende Folgen haben: «Bald muss man nicht dringende Operationen verschieben.» Von den Wartezeiten für viele Patienten sei man insbesondere bei Blut mit negativem Rhesusfaktor nicht mehr weit entfernt.

Schweizer haben aufgehört zu spenden

Als wären diese Umstände nicht schon schwierig genug, kommt auch noch das fehlende Platzangebot für Spendeaktionen hinzu. Während der Ferienzeit sind nämlich Aulas, Turnhallen und Gemeindesäle besetzt, wie Schwab zur Zeitung sagt. Ausserdem hätten viele Schweizer mit dem Spenden aufgehört, als bekannt wurde, dass weniger Blut benötigt werde, da chirurgische Eingriffe immer weniger Blutverlust erzeugten.

Immerhin ist es laut Schwabe bisher noch nicht vorgekommen, dass bei unerwarteten Ereignissen Blutreserven gefehlt hätten. Selbst dann nicht, als im Wallis ein Glacier Express entgleiste und ein Todesopfer sowie 40 Verletzte forderte. Trotzdem ist der Mangel akut. Schwab hofft deshalb, die Leute trotz des Sommerlochs und der WM zum Blutspenden animieren zu können.

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