Aktualisiert 01.11.2014 15:39

Dr. MuscleBlut oder Schweiss?

Der Wissenschaftler und Muskelexperte Dr. Marco Toigo erklärt, wie hoch der genetische Einfluss auf Muskelmasse und Muskeltraining ist.

von
jca

Ähnlich wie die Körpergrösse sind auch Muskelmasse und Kraft körperliche Merkmale, welche sich von Person zu Person stark unterscheiden können. Ein Grund für diese Unterschiede ist, dass die Stärke der Ausprägung dieser Merkmale teilweise familiär bedingt ist, das heisst von den vererbten Genvarianten abhängig ist. Die Muskelmasse, so zeigen wissenschaftliche Daten, ist zu ca. 70% vererbt und zu 30% durch Umwelteinflüsse geprägt. Auch die Steigerung der Muskelmasse, die Sie mit Training erzielen können, ist zu einem grossen Teil erblich bedingt. Die meisten Männer und Frauen erzielen eine mittelmässige Steigerung. Nur bei 2 bis 3% ist die Steigerung ausserordentlich stark und bei 1% ist hingegen kein Zuwachs zu verzeichnen. Um eine aussergewöhnlich grosse Muskelmasse und/oder Kraft zu haben, braucht es demnach geeignete genetische Voraussetzungen, sowohl für hohe Ausgangswerte als auch für die Trainierbarkeit. Hartes Training in Kombination mit sinnvoller Ernährung unterstützt die Entfaltung dieses individuellen Potenzials. In diesem Sinne kommt wohl Blut vor Schweiss, oder um es in den Worten des berühmten Physiologen Per-Olof Åstrand zu sagen: «Das Wichtigste, was ein aufstrebender Athlet machen kann, ist, sich die richtigen Eltern auszusuchen.»

Squats

Dr. sc. nat. Marco Toigo befasst sich im Rahmen seiner universitären Forschungsarbeit im Labor für Muskelplastizität der Uniklinik Balgrist mit den Mechanismen des Muskelaufbaus und -abbaus. Nebst seiner Forschungstätigkeit ist er als ETH-Hochschuldozent fur Muskel- und Sportphysiologie sowie als Buchautor tätig. Er verfügt zudem über jahrelange Erfahrung in der Ausbildung von Fitnesstrainern und der Instruktion und Betreuung von Trainierenden. Seine Kolumne «Dr. Muscle» erscheint wöchentlich.

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