US-Wrestling: Blut, Schweiss und Schweizerdeutsch
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US-WrestlingBlut, Schweiss und Schweizerdeutsch

Die WWE ist die grösste Wrestlingliga der Welt. Seit neuestem steht dort der Schweizer Claudio Castagnoli im Ring. Und nervt die Amis mit Schweizerdeutsch.

von
Niklaus Riegg

«From Lucerne Switzerland»: Claudio Castagnoli alias Antonio Cesaro. (Quelle: BHSN/Youtube.com)

«Er ist wohl das Einzige aus der Schweiz, was irgendwelche Aggression mit sich bringt. Vielleicht kann dieser Mann ja das Image seines Landes etwas verbessern, bis jetzt kamen ja nur die weltgrössten Feiglinge aus der Schweiz»: Was am US-TV über die Schweiz gesagt wird, ist starker Tobak. Doch keine Angst: Es geht nicht um Politik, es geht um etwas viel Grossartigeres: Wrestling. Denn seit neuestem ist der Luzerner Claudio Castagnoli bei der weltgrössten Wrestlingliga WWE unter Vertrag – und seine Rolle ist die eines arroganten Schweizer Bösewichts. Dies macht er so überzeugend, dass die lebende Wrestlinglegende William Regal als TV-Kommentator gleich über das gesammte Alpenland herzieht.

Die Liga der Stars

Mit seinem WWE-Deal – notabene als allererster Schweizer und als einer der ersten Deutschsprachigen überhaupt – ist Castagnoli dort angekommen, wo Legenden gemacht werden: André The Giant, Hulk Hogan, The Undertaker, Stone Cold Steve Austin, The Rock, Bruno Sammartino, Bret Hart, Randy Savage, John Cena. Mit wenigen Ausnahmen kämpften alle bekannten Wrestler bei dieser Liga, wurden hier zu Superstars. Und auch wenn der ganz grosse Wrestlingboom vorbei ist, die WWE begeistert immer noch jede Woche Millionen rund um den Erdball mit unterhaltsamen Soap-Storys und spektakulären Kämpfen – sei es bei Live-Shows oder im TV. Die wichtigste Show, «RAW», ist nicht nur die am längsten laufende wöchentliche TV-Serie in der US-Geschichte. Sie ist mit bis zu 5 Millionen Zuschauern auch regelmässig die meistgeschaute Show im amerikanischen Kabelfernsehen.

Neuer Stil

Bis zu «RAW» hat es Claudio Castagnoli noch nicht ganz geschafft, er kämpft noch in der kleineren WWE-Liga Florida Championship Wrestling (FCW). Denn: Auch wenn er schon auf der ganzen Welt gekämpft hat und in kleineren Ligen mit Titeln ausgezeichnet wurde, für die WWE muss sich Castagnoli umstellen: «Die WWE ist die grösste und bekannteste Wrestling Liga der Welt, das Ziel eines jeden Wrestlers», so Castagnoli zu 20 Minuten Online. Doch bei der WWE wird auch in einem eigenen, eher langsamen, kraftbetonten Stil gekämpft – an den sich der Luzerner erst gewöhnen muss: «Ja, klar, es ist wie eine neue Stelle. Man muss sich von unten hocharbeiten und sich an die Eigenheiten des neuen Jobs gewöhnen.»

Castagnolis erste FCW-Promo

Quelle: BHSN/Youtube.com

Bis jetzt tritt der Luzerner als arroganter Schweizer Schnösel auf – und macht dies sehr überzeugend. Seine wichtigsten Moves sind eine Variante der Powerbomb, die er treffend Ricola-Bomb nennt, und der spektakuläre Swiss Death (siehe Video ganz oben). Dafür wirft er den Gegner in die Luft, um ihn mit einem Kinnhaken zu treffen. Auch bei seinen Promos zückt er die Schweiz-Karte: Er wechselt zwischen Englisch und Schweizerdeutsch und verspricht: «Ich werde der erste Schweizer WWE-Champion.» Dazu trägt er auf seiner Hose prominent das Schweizerkreuz – und macht alles dafür, dass die Fans diesen arroganten Eidgenossen hassen.

Quelle: BHSN/Youtube.com

Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis Castagnoli diesen schnöseligen Schweizer auch in den grossen TV-Shows geben wird. Die ersten Auftritte vor tausenden Fans bei den WWE-Liveshows hat er schon hinter sich: «Wann es so weit ist, weiss ich noch nicht. Aber Schweizerdeutsch wird man sicher hören wenn ich im den grossen TV-Shows bin», verspricht Castagnoli.

Mit einem Kämpfer aus der Schweiz könnte es hierzulande schon bald wieder einen Wrestlingboom geben. Castagnoli will dabei helfen: «Wrestling, wie praktisch alles, hatte immer seine Höhen und Tiefen. Es hatte ein Hoch in den Neunzigern mit Hulk Hogan und danach wieder mit Stone Cold Steve Austin und The Rock. Ich denke, dass es bald wieder ein Hoch gibt, und natürlich werde ich dabei gerne mithelfen.» Und wenn nicht: Wenigstens kennen die USA jetzt einen unterhaltsamen Schweizer Bösewicht.

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