Aktualisiert 06.11.2015 09:35

Jungpartei

Blut, Sex und Joints – Juso kanns nicht lassen

Sie zeigt ihren eigenen Regierungsrat an und will einen Strafrechtsprofessor zum Kiffen verführen: Die Juso eckt so stark an wie keine andere Jungpartei.

von
phi

Weil der Strafrechtsprofessor Martin Killias in einer Studie zum Schluss kam, dass Kiffer eher zu Gewalt neigen als Rauschtrinker, erhielt er von der Juso eine Einladung: Die Jungpartei bot Killias in einem offenen Brief an, «das Ganze bei einem Joint nochmals zu diskutieren».

Weiter zeigte sie ihren eigenen Regierungsrat und Zürcher Sicherheitsdirektor Mario Fehr an, weil sich die Kapo Zürich mit Fehrs Zustimmung eine Überwachsungssoftware angeschafft hatte.

Dies sind nur zwei von vielen Aktionen, die den Jusos in der jüngsten Vergangenheit Schlagzeilen beschert haben. Zeitweise fiel die Jungpartei fast im Wochentakt mit kuriosen Kampagnen auf:

Kaffee auf Hauptstrasse

Im letzten Sommer sorgte die Juso Zürich für rote Köpfe, als sie bei einer Protestaktion für ein autofreies Utoquai den Verkehr in der Nähe des Sechseläutenplatzes in Zürich lahmlegte. Die Parteimitglieder stellten einen kleinen Tisch auf die Strasse und tranken Kaffee.

Blutvergiessen

Homosexuelle Juso-Politiker liessen sich auf öffentlichen Plätzen Blut entnehmen, welches sie dann wegleerten. Dies, um gegen das Blutspende-Verbot für Homosexuelle zu protestieren. Blut scheint bei den Jungsozialisten ein beliebtes Motiv zu sein: Um ihren Unmut gegenüber der Nahrungsmittelspekulation zu zeigen, leerten Parteimitglieder 200 Liter Kunstblut über die Treppe einer UBS-Filliale.

Ehe abschaffen

An der Juso-Delegiertenversammlung in Genf wurde dieses Jahr über ein Papier diskutiert, in dem die Jungpartei die Abschaffung der Ehe forderte. Im selben Papier kritisierte die Juso den ständigen Sex-Stellungswechsel in Pornofilmen. Dadurch werde der Sex nämlich zu einer Performance.

Nackte Politiker

Für eine Kampagne gegen Staatsüberwachung liessen sich im Sommer verschiedene Parteimitglieder splitternackt fotografieren. Die Fotos wurden dann auf Plakate gedruckt und aufgehängt, was der Jungpartei eine Anzeige einbrachte.

Plakate überklebt

Während dem Wahlkampf überklebten Mitglieder der Juso Basel-Landschaft die Wahlplakate von FDP- und SVP-Kandidaten mit Stickern mit der Aufschrift «Gekauft!». Dies, weil der Wahlkampf der bürgerlichen Kandidaten laut der Juso von der kantonalen Wirtschaftskammer finanziert wurde.

«Inhalte können darunter leiden»

«Dass die Juso SP-Regierungsrat Mario Fehr angezeigt hat, ist eine politische Dummheit», sagt Politologe Mark Balsiger. Es gebe andere Möglichkeiten, um einen internen Knatsch elegant aus der Welt zu schaffen. Ansonsten leiste die Juso grundsätzlich gute Arbeit: «Eine Jungpartei soll frech und aufmüpfig sein – und sie soll wie ein Labor funktionieren, also Neues ausprobieren.»

Nicht umsonst sei die Juso öffentlich von allen Jungparteien am stärksten im Gespräch. So seien Parteipräsident Fabian Molina und Ex-Präsident Cédric Wermuth wesentlich bekannter als ihre Pendants der anderen Parteien. Allerdings müsse die Juso aufpassen, dass sich der Überraschungseffekt solcher Aktionen nicht abnutze: «Die Gefahr ist, dass man immer noch eins draufsetzen muss, um das Interesse der Öffentlichkeit zu wecken. So leiden aber die Inhalte darunter.»

Juso-Präsident Fabian Molina sagt: «Provokation ist für uns immer nur ein Mittel zum Zweck.» Als junge Partei ohne grosses Budget sei es eben nicht einfach, das Interesse der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen. Angst, dass die Wähler irgendwann die Nase voll haben von den provokanten Aktionen, hat Molina nicht: «Die Leute reagieren immer sehr stark auf unsere Kampagnen – positiv als auch negativ.»

(phi/20 Minuten)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.