Aktualisiert 19.10.2004 08:21

Blut von EU-Ministern mit Chemikalien verseucht

Um die unmittelbaren Auswirkungen von Chemikalien auf den Menschen nachzuweisen, hat die Umweltstiftung WWF umfangreiche Bluttests an 14 europäischen Ministern durchgeführt.

Laut den am Dienstag veröffentlichten Ergebnissen enthielten sämtliche Proben ein Gemisch schädlicher Substanzen wie das Pflanzenschutzmittel DDT. Projektleiter Karl Wagner zog daraus den Schluss, dass es weder sicher noch akzeptabel sei, permanent solchen Chemikalien ausgesetzt zu sein. Dies gelte insbesondere für Ungeborene und Kleinkinder.

An den Tests beteiligten sich je ein Minister aus Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Litauen, der Slowakei, Spanien, Schweden, Tschechien und Zypern sowie zwei aus Ungarn. Ihre Blutproben wurden auf 103 verschiedene Chemikalien überprüft. Gefunden wurden dem WWF zufolge Spuren von Pestiziden sowie Substanzen, die etwa in Feuerlöschern, Möbelschaumstoffen, Putzmitteln, Kosmetika oder auch in Plastikspielzeug für Kinder verwendet werden. Dazu gehören so genannte polychlorierte Biphenyle (PCB), die als Krebs erregend gelten.

In einer der Blutproben seien gleich 43 verschiedene Substanzen entdeckt worden, erklärte Wagner. Am stärksten sei allemal die Konzentration von Dichlor-Diphenyl-Trichlorethan (DDT) gewesen. «Die Chemikalien, die in den Ministern nachgewiesen wurden, verseuchen ebenso das Blut von Eisbären, Delfinen, Raubvögeln und anderen Lebewesen selbst in den abgelegensten Gebieten der Erde», heisst es in dem Bericht.

Mit der Studie will der WWF nach eigenen Angaben Pläne der Europäischen Union zur Verschärfung der 20 Jahre alten Richtlinien für Chemikalien untermauern. Demnach sollen künftig die Hersteller für die Sicherheitsüberprüfung ihrer chemischen Produkte verantwortlich sein und nicht mehr die jeweiligen Regierungen. Dazu soll eine Datenbank angelegt werden, ferner soll eine Kennzeichnungspflicht für potenziell schädliche Substanzen eingeführt werden. Die Industrie macht geltend, dass all dies zu teuer sei. (dapd)

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