Aktualisiert 12.12.2006 19:30

Blutbad in Bagdad: 70 Tote

Bei zwei Selbstmordanschlägen im Zentrum der irakischen Hauptstadt Bagdad sind am Dienstag mindestens 70 Menschen getötet worden. Mehr als 230 Menschen wurden nach Angaben des Innenministeriums zum Teil schwer verletzt.

Laut Augenzeugen rammte ein erster Attentäter mit seinem Fahrzeug einen Polizeiwagen und löste eine Explosion aus. Ein weiterer Attentäter steuerte danach seinen mit 120 Tonnen Sprengstoff präparierten Lieferwagen in eine Gruppe schiitischer Tagelöhner. Sie hatten auf der Strasse auf Arbeit gewartet.

Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki nannte den Anschlag ein «grauenhaftes Massaker». Er beschuldigte Anhänger des ehemaligen Diktators Saddam Hussein und sunnitische Islamisten der El Kaida hinter dem Anschlag zu stecken.

Tagelöhner häufig Opfer

Es war bereits das achte Mal seit Kriegsbeginn 2003, dass Terroristen den zentralen Platz im Bagdader Bezirk Bab al-Scharki angriffen. Dort versammeln sich seit den 60er Jahren an jedem Werktag morgens Hilfsarbeiter.

Gruppen von Tagelöhnern und Besucher von Imbissrestaurants werden von Terroristen besonders häufig als Anschlagziel ausgewählt, weil sie nicht gut geschützt sind. Die meisten anderen Orte in Bagdad, an denen sich Menschen versammeln, sind inzwischen mit Wächtern, Barrieren und Stacheldraht gesichert.

Anschlag auf Mausoleum

Auch im schiitischen Mausoleum in der irakischen Stadt Samarra explodierte am Dienstag eine Bombe. Die Schäden seien gering, teilte die US-Armee mit.

Das Mausoleum war bereits im Februar Ziel eines Anschlags und wurde weitgehend zerstört. Der Anschlag löste damals heftige Ausschreitungen zwischen Sunniten und Schiiten aus. Tausende Menschen wurden im ganzen Land getötet.

In der nordirakischen Stadt Mossul wurde ein irakischer Kameramann der Nachrichtenagentur AP getötet. Nach Angaben der Organisation Reporter ohne Grenzen starben seit Beginn des Krieges im März 2003 im Irak mindestens 132 Medienschaffende.

Annan kritisiert Bush

Scharfe Kritik an der Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush kam unterdessen von UNO-Generalsekretär Kofi Annan, der zum Jahreswechsel aus dem Amt scheidet.

In einer Rede im Präsident-Truman-Museum in Independence im US- Bundesstaat Missouri warf Annan der US-Regierung am Montag (Ortszeit) erneut vor, den Irak-Krieg gegen den internationalen Willen begonnen zu haben.

In seinem monatlichen Bericht an den Sicherheitsrat über die Lage im Irak zog Annan eine dramatische Bilanz. Das Land stehe «am Rande von Bürgerkrieg und Chaos». Die Krise im Irak sei mittlerweise wohl die dringendste Krise der Welt. Mehr als 5000 Iraker kämen jeden Monat ums Leben, hiess es.

Rice ist stolz

US-Aussenministerin Condoleezza Rice wies in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP Kritik an der Rolle der USA im Irak- Krieg zurück. Sie sei «sehr stolz», am Sturz von Saddam Hussein und an der «Befreiung von 25 Millionen Irakern» mitgewirkt zu haben.

Andererseits gebe es «viele, viele Dinge, die wir hätten anders machen können, vielleicht anders machen sollen». Insbesondere die Gewalt zwischen der sunnitischen Minderheit und der Bevölkerungsmehrheit der Schiiten bezeichnete Rice als «sehr schlecht».

(dapd)

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