Blutbad unter Pilgern

Aktualisiert

Blutbad unter Pilgern

Das schiitische Aschura- Fest im Irak ist am Wochenende von blutigen Strassenschlachten und Anschlägen begleitet worden. Dabei starben im Süden des Landes mindestens 85 Menschen.

In Nassirija 350 Kilometer südlich von Bagdad sowie in der zweitgrössten irakischen Stadt Basra lieferten sich Anhänger der schiitischen Sekte «Gläubige der Mehdi-Armee» heftige Gefechte mit den Sicherheitskräften, wie die Polizei am Samstag mitteilte.

Bei den Kämpfen, die bereits am Freitag begonnen hatten, starben allein in Basra 35 Sektenmitglieder. In Nassirija kamen 18 Anhänger ums Leben. Daneben wurden mehrere Polizisten und Zivilisten getötet. Wie die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak berichtete, beruhigte sich die Lage erst am Sonntag wieder.

Die «Gläubigen der Mehdi-Armee» hoffen auf die Rückkehr des Imams Mehdi, der im achten Jahrhundert in jugendlichem Alter verschwunden war. Der Imam soll nach Ansicht der Sektenmitglieder «der Welt Gerechtigkeit bringen».

Imam Hussein und seine Anhänger wurden im Jahr 680 in der Schlacht bei Kerbela von den Truppen des sunnitischen Kalifen Jasid getötet. Für Schiiten markiert das Ereignis einen schmerzlichen Höhepunkt im Ringen um die Führungsrolle im Islam.

Strenge Sicherheitsmassnahmen

In Kerbela feierten am Samstag etwa zwei Millionen Schiiten unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen den Höhepunkt des Aschura- Fests. Die Zeremonien verliefen ohne grössere Zwischenfälle, wie der Gouverneur der Provinz, Akil el Chasali, mitteilte.

Um Terroranschlägen vorzubeugen, hatten die Behörden in elf irakischen Provinzen Fahrverbote verhängt. Mehr als 3000 Soldaten bezogen Stellung, um die Prozessionen der Gläubigen zu schützen. Amerikanische und irakische Helikopter sicherten den Ort aus der Luft.

In Prozessionen gedachten die Gläubigen des Todes des Imams Hussein, der in der heiligen Stadt begraben liegt. Die schwarzgekleideten Gläubigen geisselten sich mit Schlägen auf Brust und Rücken. Unter der Herrschaft Saddam Husseins waren die Feiern untersagt gewesen.

Angriffe von Sunniten

Das Aschura-Fest, wichtigstes religiöses Fest der Schiiten, ist immer wieder Ziel von Anschlägen sunnitischer Aufständischer. Vor einem Jahr kam es zu ähnlichen Ausschreitungen, die allerdings weitaus blutiger verliefen.

Damals wurden bei Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Anhängern einer Sekte namens «Soldaten des Himmels» fast 300 Menschen getötet.

Mehrere Anschläge

In der Region von Mossul im Norden des Landes kamen am Samstag sieben Gläubige ums Leben, als ihr Prozessionszug von einer Raketen getroffen wurde. In Kirkuk starben zwei Menschen durch einen Sprengsatz, der in einem Mülleimer explodierte.

Bei einer Bombenexplosion vor einem Restaurant in Bagdader Schiitenviertel Sadr City wurden zwei Menschen getötet und zwölf weitere verletzt. Bei zwei Selbstmordanschlägen auf Polizeiwachen im sunnitisch dominierten Westen Iraks starben sechs Menschen.

(dapd)

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