Aktualisiert 27.03.2018 13:49

«Basel Kills World»

Blutgold-Protest an der Baselworld gestoppt

Das Gold, das an der Schmuck- und Uhrenmesse gehandelt wird, stammt aus schmutzigen Quellen, monieren Aktivisten. Die Polizei ging konsequent gegen ihren Protest vor.

von
las/sda
1 / 7
Mit dem Slogan «Basel Kills World» protestieren Aktivisten gegen schmutziges Gold, das an der Baselworld gehandelt werden soll.

Mit dem Slogan «Basel Kills World» protestieren Aktivisten gegen schmutziges Gold, das an der Baselworld gehandelt werden soll.

Ignorance Unlimited
Während der Eröffnungsfeier wollten sie ein Transparent zum Boden der City-Lounge steigen lassen. Doch die Polizei unterband die Aktion.

Während der Eröffnungsfeier wollten sie ein Transparent zum Boden der City-Lounge steigen lassen. Doch die Polizei unterband die Aktion.

Keystone/Georgios Kefalas
Neben dem Slogan zeigte das Transparent eine URL, wo die Missstände rund um die Goldförderung angeprangert werden. Es wurde von der Polizei konfisziert.

Neben dem Slogan zeigte das Transparent eine URL, wo die Missstände rund um die Goldförderung angeprangert werden. Es wurde von der Polizei konfisziert.

Ignorance Unlimited

Mit viel Glamour und Politprominenz wurde am vergangenen Donnerstag die 101. Ausgabe der Baselworld eröffnet. Abseits des Rummels rund um Hollywood-Star Julianne Moore und Bundesrätin Doris Leuthard gingen Aktivisten gegen die Veranstaltung auf die Barrikaden. Sie warfen der Messe vor, eine Plattform für den Handel mit schmutzigen Edelmetallen zu bieten.

Unter dem Motto «Basel Kills World» wollten sie während der Eröffnungsveranstaltung ein rund acht Quadratmeter grosses Transparent an zehn Ballonen befestigt zum Boden der City-Lounge hochsteigen lassen. Die Basler Polizei unterband die Aktion jedoch frühzeitig.

Polizei griff sofort ein

«Ohne den Dialog zu suchen, schnappten sie sich das Transparent und zerstörten alle Ballone», schreiben die Aktivisten auf Anfrage. Ihr Grundrecht auf freie Meinungsäusserung sei eingeschränkt worden. Dass die Staatsgewalt im Bereich der Messe wenig Spielraum für politische Aktionen lässt, ist seit der Pappteller-Affäre (20 Minuten berichtete) bekannt. Im Jahr 2014 wurden 34 Personen vor einer geplanten Kunstaktion während der Art Basel verhaftet – samt Schaulustigen.

Polizeisprecher Toprak Yerguz bestätigt den Einsatz vom Donnerstag gegenüber 20 Minuten. Personen seien bei einer Vorbereitungshandlung für eine Protestaktion beobachtet worden. Fünf von ihnen wurden kontrolliert und das Banner beschlagnahmt.

Kriege und Menschenhandel

«70 Prozent des jährlich weltweit abgebauten Goldes werden von Schweizer Firmen verarbeitet», schreiben die Aktivisten nun in einer Medienmitteilung vom Dienstag. Wiederum die Hälfte davon lande in Schmuck. Während der Schürfarbeiten kämen Stoffe wie Blei und Cyanid zum Einsatz, die sich in den Körpern der Arbeiter ablagern. Zudem komme es laut Studien im Zusammenhang mit Goldabbau zu Kriegen und Menschenhandel.

Der Kanton Basel-Stadt, der 30 Prozent der Aktien bei der Baselworld-Veranstalterin MCH-Group hält, verschliesse die Augen vor den «unglamourösen Aspekten» der Messe. Christoph Brutschin (SP), Basler Wirtschaftsdirektor und Vizepräsident der Messe, verwies für eine Stellungnahme an die Medienstelle des Unternehmens.

«Ermittlungen sind nicht unsere Aufgabe»

«Wir können nicht beurteilen, ob die Vorwürfe der Aktivisten gerechtfertigt sind», sagt MCH-Group-Sprecher Christian Jecker. Aufgrund von Vorwürfen, Gerüchten und Hörensagen könnten keine Sanktionen verhängt werden. «Gemäss Ausstellerreglement der Baselworld kann die Messeleitung einem Aussteller die Zulassung zur Baselworld verweigern, wenn dieser erwiesenermassen gegen die Menschenrechte verstossen hat», heisst es weiter. Es könne aber nicht die Aufgabe der Messeleitung sein, entsprechende Ermittlungen gegen Unternehmen zu führen und abschliessend darüber zu urteilen.

«Firmen prüfen Risiken ungenügend»

Eine Untersuchung der NGO Human Rights Watch zeigte allerdings, dass es die Händler mit ihren Fair-Trade-Verpflichtungen locker nehmen. «Wir fanden heraus, dass die meisten Firmen nicht wissen, woher ihr Gold und ihre Diamanten kommen, und dass sie menschenrechtliche Risiken nicht ausreichend prüfen», sagte Juliane Kippenberg von Human Rights Watch gegenüber der «Tageswoche». Zudem sei der von den Händlern selbst deklarierte Standard viel zu unpräzise und die Kontrollen zu lasch, moniert sie.

Gleich viele Besucher trotz Schlankheitskur

Obwohl die Baselworld dieses Jahr zwei Tage kürzer war und mit 650 nur halb so viele Aussteller an ihr vertreten waren als 2017, blieb die Besucherzahl gleich. «Die meisten Aussteller waren zufrieden mit der diesjährigen Baselworld und die grossen werden auch 2019 dabei sein», sagte Messedirektorin Sylvie Ritter.

Auch für 2019 ist wieder eine abgespeckte Version der Messe geplant. René Kamm, Chef der Veranstalterin MCH-Group, hält fest, dass die Messe auf die technologischen Entwicklungen reagieren muss: «Baselworld ist nicht mehr die Bestell- und Kommunikationsplattform wie früher», sagt er.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.