Krieg in Libyen: Blutige Schlacht um Adschdabija
Aktualisiert

Krieg in LibyenBlutige Schlacht um Adschdabija

In Libyen kämpfen Truppen von al-Gaddafi und Rebellen weiter um die Kontrolle der Stadt Adschdabija. Guerilla-Methoden der Regierungstruppen werden immer wichtiger.

Ein Aufständischer erklärte, die Gaddafi-Truppen breiteten sich in der Stadt Adschdabija aus. Ein Augenzeuge berichtete am Samstagabend, die Hauptstrasse der Stadt sei stark umkämpft. Gaddafis Truppen hätten Maschinengewehre und Granatwerfer. Die meisten der 150 000 Einwohner der Stadt sind bereits geflüchtet.

Es handelt sich um den grössten Vorstoss der Regierungstruppen auf von der Opposition eingenommenes Territorium seit Beginn der internationalen Luftangriffe. Bei den Kämpfen wurden nach Spitalangaben mindestens acht Menschen getötet.

Guerilla-Taktik

Die Regierungstruppen hatten zunächst mit kleineren Kampfeinheiten einen Konvoi der Oppositionellen ausserhalb der Stadt angegriffen. Die Soldaten beschossen die Stellungen der Aufständischen mit schwerer Artillerie.

Diese erwiderten das Feuer, wurden jedoch zum Rückzug gezwungen. Anschliessend rückten Regierungstruppen in Zivilfahrzeugen nach Adschdabija vor.

Die Guerilla-Taktiken der Regierungstruppen zeigten, wie schnell Gaddafis Soldaten sich auf die neue Situation nach Beginn der internationalen Luftangriffe eingestellt haben. Die neue Militärstrategie - der Verzicht auf Panzer, der Einsatz von kleineren Kampfeinheiten und von Zivilfahrzeugen - macht sie weniger verwundbar für NATO-Luftangriffe.

Tote in Misrata

Auch in der Stadt Misrata geraten die Rebellen immer stärker unter Druck. Bei Kämpfen rund um die Stadt Misrata wurden mindestens 30 Aufständische getötet. Das teilte ein Sprecher der Rebellen unter Berufung auf Angaben von Kampfgefährten und Sanitätern mit.

Regierungstruppen hätten drei verschiedene Teile der Stadt im Westen des Landes angegriffen und seien dann zurückgeschlagen worden. Nach Einschätzung von Experten haben es die Regierungstruppen vor allem auf die Einnahme des Hafens von Misrata abgesehen, auf den Gaddafi im Falle eines langanhaltenden Konfliktes angewiesen sein dürfte.

Unterstützung erhielten die Rebellen durch die NATO, die ihre Luftangriffe auf Gaddafis Truppen verstärkt habe. «Sie haben zumindest vier Stellungen von Gaddafis Truppen in Misrata bombardiert», sagte ein Aufständischer.

NATO-Flugzeuge zerstörten am Freitag und Samstag insgesamt 17 Panzer der Regierungstruppen, die meisten davon in Misrata, wie ein Vertreter des Bündnisses mitteilte.

Kritik der Regierung

Der libysche Vize-Aussenminister Chaled Kaaim kritisierte am Samstagabend das Engagement der NATO, nachdem die libysche Armee in der Region der Küstenstadt Brega im Osten des Landes zwei Helikopter der Rebellen abgeschossen hatte.

Obwohl es Aufgabe der Militärallianz sei, die über Libyen verhängte Flugverbotszone zu überwachen, habe sie zugelassen, dass die beiden Kampfhelikopter der Rebellen aufgestiegen seien. Es stelle sich die Frage, ob die Flugverbotszone lediglich für die libysche Regierung oder aber für beide Seiten gelte.

Die NATO sei zu einer «Konfliktpartei auf Seiten der Rebellen» geworden. In Libyen waren seit dem 19. März Truppen unter Führung der USA, Frankreichs und Grossbritanniens im Einsatz, um eine vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen autorisierte Flugverbotszone über dem Land durchzusetzen. Am 31. März hatte die NATO das Kommando über die Militäraktion in Libyen übernommen. (sda)

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